Februar 2015

Do Widzenia, Wrocław!

Abschiedsfahrt nach Breslau

Von Dresden nach Breslau und zurück

Nach sechs Jahren wird der Dresden-Wroclaw-Express, die einzige noch bestehende Zugverbindung von Sachsen nach Polen, eingestellt. Ein guter Grund, aber natürlich auch trauriger Anlass, eine Abschiedsfahrt zu machen. Seit 1847 können Züge von Dresden über Görlitz direkt nach Breslau fahren. Wegen finanzieller Engpässe auf polnischer Seite, vielleicht aber auch fehlendem politischen Willen soll nun vorläufig Schluss sein.

Route
Die Fahrt beginnt ziemlich früh im Bahnhof Dresden-Neustadt. Es erhält zum vorvorletzten Mal Einfahrt der TLX/RE ALBIS (lat. Elbe) nach Breslau Hbf. Ein doppelter DB-Desiro (BR 642) mit ohne 1. Klasse-Abteil, in welchem wir Platz nehmen. Am Tisch lässt sich prima Backgammon spielen. Bis Görlitz ist der Zug rappelvoll.
Abfahrtstafel in Dresden-Neustadt

Die Landeskrone zeigt sich in der morgendlichen Sonne, die Stimmung ist mal wieder gut und ich frage mich (und meinen mitreisenden Vater) einmal mehr, was es denn schöneres gibt, als Zug zu fahren.

Landeskrone in der Morgensonne

Auch wenn in Görlitz die meisten Fahrgäste aussteigen, es sind in beiden Triebwagen an diesem Morgen immer noch zwei Dutzend Fahrgäste anwesend, die mit uns und dem polnischen Zugpersonal (ein Lokführer, zwei Zugbegleiter) über die Neißebrücke nach Polen tuckern. In Zgorzelec Miasto füllt sich der Zug schlagartig wieder. Wo sollen all die Leute ab Montag hin, wenn dieser Zug nicht mehr fährt? Während wir an viel zu hohen, aber immerhin unbesprühten Lärmschutzwänden durch unspektakuläre Landschaft in Richtung Breslau düsen, kann ich ein paar Worte zu den benutzten Fahrkarten verlieren. Das Dresden-Wroclaw-Spezial kostet pro Person 44 Euro und gilt bekanntlich nur im Zug. Da wir aber leider nicht im Bahnhof wohnen, brauchten wir auch noch die Anfahrt dorthin mit der Straßenbahn. Und so kam ich dann zu folgender Vierteilung, die uns jeweils 12,50 € Einsparung gegenüber dem Dresden-Wroclaw-Spezial brachte: VVO-2-Zonen-Karte bis Arnsdorf, DB-Normalpreis mit BC 25 bis Bischofswerda, Euro-Neiße-Ticket bis Bunzlau und PR-Online-Ticket bis Breslau. Zurück genau umgekehrt ergab das pro Person einen Reisepreis von 31,50 € - akzeptabel, wie ich finde. Nach der pünktlichen Ankunft in Europas Kulturhauptstadt 2016 habe ich noch ein paar Züge und den Bahnhof selbst abgelichtet.

RE aus Dresden nach der Ankunft in Breslau

Noch ein Wort zur Auslastung des Zuges: wie schon bei meinen vorherigen Fahrten konnte auch diesmal eine kleine Delle zwischen Görlitz und Zgorzelec verzeichnet werden, was die Besetzung des Zuges angeht. Auf polnischer Seite war der Zug aber in beiden Richtungen - und das bei Doppeltraktion - voll besetzt. Umso unverständlicher, dass die Verbindung gestrichen wird. Zum Abschluss meines kleinen Berichtes noch ein paar Eindrücke aus Breslau - die Zeit verging mal wieder wie nix, Zurek und Bier schmeckten und die Backgammon-Spiele auf der Rückfahrt konnte ich mehrheitlich für mich entscheiden. Bleibt noch zu hoffen, dass es bald wieder einen Direktzug zwischen den beiden Partnerstädten gibt.

Andreas und Kreuz
Ende der Kooperation
RE aus Breslau im Bahnhof Görlitz
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