Dezember 2015
Die Eisenbahnstrecke von Coswig über Meißen, Nossen, Döbeln, Grimma und Borsdorf besteht seit 1968 und bildet neben der
alternativen Route über Riesa eine zweite Reisemöglichkeit zwischen Dresden und Leipzig. Die heute im Abschnitt Meißen-Triebischtal - Borsdorf seit dem 2. Weltkrieg eingleisige Hauptbahn war bis
Anfang der 1970er Jahre wichtiger Bestandteil des so genannten Ringverkehrs zwischen den beiden größten Städten Sachsens. Weil seinerzeit auch auf der über Riesa führenden Verbindung das zweite
Gleis wegen der Reparationsleistungen fehlte, fuhren Züge aus Dresden in Richtung Leipzig über Meißen und Döbeln, während die Gegenrichtung über die Strecke via Riesa abgewickelt wurde. Nach
Wiederaufbau des zweiten Gleises auf letztgenannter Verbindung sank die Bedeutung der als so genannte BC-Linie (Borsdorf - Coswig) bezeichneten Bahn kontinuierlich und hatte nur noch regionale
Bedeutung. Erst nach der politischen Wende 1989/90 gab es eine kleine Renaissance, als wieder direkt verkehrende Eilzüge von Dresden nach Leipzig und zurück über Döbeln eingeführt wurden. Die
Fahrzeiten waren gegenüber der Linienführung über Riesa jedoch deutlich schlechter und auch die fehlende Elektrifizierung sowie die gegebene Eingleisigkeit schränkten die Verkehrsmöglichkeiten
auf der landschaflich reizvollen Strecke stark ein.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden schließlich die durchgehenden Eilzüge zwischen Dresden und Leipzig auf der BC-Linie
eingestellt und es manifestierte sich im Abschnitt Meißen - Nossen - Döbeln nur noch ein 2-Stunden-Takt, die Fahrgastzahlen gingen in der strukturschwachen Region kontinuierlich zurück. Eine
unzureichende touristische Vermarktung der Bahnlinie, teilweiser Bus-Parallel-Verkehr, die niedrige Reisegeschwindigkeit und die mitunter ungünsige Lage der Haltepunkte beschleunigten schließlich
den Niedergang des Personenverkehrs, der mit dem Fahrplanwechsel in diesem Jahr schließlich durch den verantwortlichen Besteller Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) ganz abbestellt wurde. Somit fanden
am 12. Dezember 2015 vorläufig die letzten planmäßigen Reisezugfahrten zwischen Meißen und Döblen statt. Für den künftigen Verkehr wurde als Alternative das Busnetz der Region angepasst bzw.
ausgeweitet.
Eine vom VVO in Auftrag gegebene Studie hatte ergeben, dass es zu wenig Pendlerbewegungen aus Nossen und den Unterwegshalten in Richtung Dresden gäbe, außerdem stünden für einen Weiterbetrieb des Verkehrs millionenschwere Investitionen an, die gegenüber den durchschnittlich nur 13 Reisenden pro Zugfahrt in keinem wirtschaftlichen Verhältnis stünden. Eine Abbestellung der Nahverkehrszüge war für den VVO somit alternativlos. Das Ende der 147 Jahre bestehenden Reisezugverbindung zwischen Meißen, Nossen und Döbeln endete somit vorerst. Es verbleibt zunächst nur ein geringer Güterverkehr zum Tanklager Rhäsa bei Nossen, Fahrgäste müssen dagegen künftig Busse benutzen. Die Infrastruktur wird Anfang kommenden Jahres an einen privaten Schienennetzbetreiber übergehen, ob dieser das Streckennetz wirtschaftlich betreiben und erhalten kann und ob jemals wieder Reisezugverkehr im Triebisch- und Muldental stattfinden wird, bleibt ungewiss.
Am letzten Tag vor dem Ende des Reisezugverkehrs zwischen Meißen und Döbeln fanden sich in den Zügen und an der Strecke unzählige
Eisenbahnfreunde ein, um Abschied zu nehmen. Zudem fand in Nossen ein Trauermarsch und eine kleine Kundgebung statt.
Alle Aufnahmen vom 12.12.2015.
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