November 2014

Balkan-rundReise

Wien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien

2. Teil - Von Sarajevo über Mostar nach Dubrovnik

Am nächsten Morgen weckt uns strahlender Sonnenschein und der anfängliche Nebel im Talkessel von Sarajevo löst sich gegen Mittag auf und blauer Himmel kommt zum Vorschein. Wir bereiten uns im Appartement ein kleines Frühstück zu und brechen dann voller Neugier und Vorfreude auf in die Stadt. Irgendwann unterwegs fällt uns ein, dass mein Bruder heute Geburtstag hat, vor lauter Aufregung hatten wir beide morgens nicht daran gedacht.

sonniger Morgen in Sarajevo

Unser Weg führt uns entlang am Fluss Miljacka hin zu jener Straßenecke, an welcher durch das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand im Juni 1914 letztlich der 1. Weltkrieg ausgelöst wurde. Ein kleines Museum sowie eine Gedenktafel erinnern an das folgenreiche Ereignis. 

der Ort des Attentats von 1914

Ein paar hundert Meter weiter erstrahlt die frisch restaurierte Nationalbibliothek in neuem Glanz. Sie wurde 1992 während der Belagerung Sarajevos im Bosnienkrieg schwer zerstört und erst im Mai 2014 wieder eröffnet.

wiederaufgebaute Nationalbibliothek

Wir sehen die ersten Straßenhunde friedlich und müde in der Sonne herumliegen. Auf dem Weg nach oben zum ehemaligen Militärkomplex Jajce Kasarna sehen wir zahlreiche Gebäude mit Einschusslöchern oder anderen noch sichtbaren Kriegszerstörungen. Und es bietet sich von hier oben ein herrlicher Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge. Besonders beeindruckend ist die Grabanlage auf dem Hang unterhalb, auf der Tausende Gefallener, die meisten nicht älter als 35 Jahre, ihre letzte Ruhe finden.

Auf halbem Weg nach oben finden gerade kleine archäologische Ausgrabungen statt. Einer der Grabenden zerbricht seinen Spaten und schaut fortan seinen Kollegen nur noch zu. Wir steigen wieder hinunter und lassen uns von der Mischung aus Orient, Moderne und Armut beeindrucken. In der muslimisch geprägten Altstadt finden wir auf dem Basar ein kleines Café, wo wir uns zum Postkarten schreiben niederlassen, als uns plötzlich der sächsische Landesvorsitzende der FDP, Holger Zastrow, mit seiner Freundin über den Weg läuft. Als wir diesen Schock überwunden und ein Foto mit dem gelben Mann für unsere Freunde der Partei Die PARTEI daheim gemacht haben, können wir unseren Stadtrundgang fortsetzen.

Natürlich darf auch eine ausgiebige Dokumentation der Straßenbahn von Sarajevo nicht fehlen. Es existiert eine Hauptlinie, die in eine große Schleife um und durch die Altstadt macht. Einzelne Bahnen fahren außerdem einen wenige hundert Meter kurzen Abzweig zum Bahnhof an. Zum Einsatz kommen viele verschiedene Arten, einige habe ich - zum Teil leider etwas dilettantisch - abzulichten versucht.

Nach dem Mittagessen begeben wir uns zum Bahnhof, um für den morgigen Tag schon einmal die Fahrkarte für die Weiterfahrt nach Mostar zu erwerben. Leider findet nur noch ein dürftiger Zugverkehr statt, das sozialistische Empfangsgebäude wirkt völlig überproportioniert, bietet aber noch alle notwendigen Annehmlichkeiten, wie ein Café, einen Zeitungskiosk und eine Fahrkartenausgabe. Die Frau am Schalter ist ausgesprochen freundlich, das Ticket problemlos binnen Sekunden ausgestellt.

Am Abend möchte mein Bruder unbedingt nochmal auf den Berg, um den Sonnenuntergang über der Stadt zu erleben. Leider hat außer uns auch eine Rotte Straßenhunde diese Idee. Sie belagern einen unweit von uns laufenden anderen Touristen gefährlich bellend und anspringend. Die Rotte riegelt das Gelände am Hang regelrecht ab und nicht nur wir ziehen uns lautlos, aber zügig zurück nach oben. An einen Abstieg in die Altstadt ist ob dieser Meute nicht zu denken. Mit ziemlich hohem Puls retten wir uns in ein Taxi und fahren mit diesem wieder nach unten. Auch inmitten der Altstadt erleben wir mehrmals Situationen, in denen Rudel von Straßenhunden z.B. das Passieren einer Gasse unmöglich machen. Ein Aspekt, der mir an diesem Teil der Reise gar nicht behagt. Trotzdem ist Sarajevo schon aus historischer Sicht hoch interessant und bewegend und ich werde auf jeden Fall wiederkommen. 

Sonnenuntergang

Am nächsten Morgen laufen wir mit Gepäck in aufgehender Sonne vom Appartement zum Bahnhof und freuen uns über den aus drei Wagen (darunter ein Barwagen) und einer E-Lok gebildeten Zug nach Mostar. Wir nehmen im letzten, einem schwedischen Wagen Platz, der unglaublich gemütlich ist. Mein Bruder organisiert im Barwagen zwei leider fast ungenießbare Kaffee und statt vieler Fotoknipserei genießen wir die Fahrt zur Abwechslung mal fast andächtig staunend. Die Streckenführung ist vor allem wegen des kehren- und tunnelreichen Abstiegs ins Neretvatal als spektakulär zu bezeichnen und ein einmaliges Erlebnis. 

Blick aus dem Zug: Strecke Sarajevo-Mostar

Nach knapp drei Stunden Fahrt erreichen wir den Bahnhof von Mostar. Hier ist überhaupt nichts mehr los. Der Zug fährt weiter nach Capljina, wir aber wollen die berühmte Steinbrücke und die Altstadt von Mostar besichtigen.

Mostar

Der Stadt merkt man die Jahreszeit an. Sie wirkt verlassen, die unzähligen Souvenierbuden, welche im Sommer sicher allen möglichen Plunder für die Touristen feilbieten, sind geschlossen. Außer ein paar bettelnden Menschen und wenigen geöffneten Cafés gibt es aber natürlich noch die berühmte Steinbrücke zu sehen, welche im Krieg zerstört und nun als Symbol des Friedens und der Verständigung wieder errichtet ist. Im Prinzip ist es aber auch schön, die Stadt so leer zu besichtigen, denn mit Menschenmassen wäre es sicherlich weniger angenehm. Trotzdem reichen uns die drei Stunden hier vollkommen aus und wir begeben uns zurück zum Bahnhof. Von hier aus geht es jedoch mit dem Bus weiter, denn ein Zug fährt nach Dubrovnik, unserem nächsten Reiseziel, mangels einer Strecke leider nicht. 

Busbahnhof Mostar

Ich mag Busfahrten überhaupt nicht, versuche dennoch aufgeschlossen und ohne Vorurteile an der Fahrt teilzunehmen. Zunächst fallen dem illustren Gespann aus Fahrer und Co-Pilot unsere online erworbenen Tickets unangenehm auf. Zwar geben sie es nicht zu, ein paar Telefonate mit der Zentrale und viel verwirrte Blicke auf die Zettel lassen jedoch den Verdacht in uns aufkommen, dass sie nicht so richtig etwas damit anzufangen wissen. So fahren wir dann mit gut 20 Minuten Verspätung los und bekommen ein von Hand ausgefülltes Papierticket statt unserer Online-Fahrkarten zurück. Die Strecke nach Dubrovnik ist interessant, weil der Bus dazu dreimal die Grenze passieren muss. Zunächst geht es aus Bosnien-Herzegowina hinaus in die EU nach Kroatien. Dann wieder in den bosnischen Streifen, der zur Adria führt und schließlich erneut nach Kroatien, in die Exklave, in welcher Dubrovnik liegt. Leider hat einer unserer Mitreisenden nur einen vorläufigen Pass mit, der für erhebliche Probleme bereits an der ersten Grenze sorgt. Eine geschlagene Stunde Verspätung machen wir allein hier. Mit Blick auf die noch folgenden zwei Grenzübertritte richte ich mich schon mal auf weitere lange Wartezeiten ein. Aber: an den anderen beiden Grenzposten werden wir zu meiner Überraschung einfach durchgewunken. Das charismatische Busfahrerpaar jagt nun jenseits der Einhaltung aller bei uns üblichen Verkehrsregeln die Küstenstraße entlang. Die leitplankenfreie Aussicht auf die 150 Meter unter uns liegende Adria mag beeindruckend sein, mir macht das alles bei diesem Tempo nur noch Todesangst. Kreidebleich und zitternd steige ich in Dubrovnik aus und brauche erstmal eine Viertelstunde auf einer Bank sitzend für mich. Dann nehmen wir den Stadtbus zur Ferienwohnung und beschließen den Tag mit einem kleinen Rundgang durch die historische Altstadt.

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