Oktober 2016

Barcelona

Schnell und bequem nach Spanien und zurück

Anreise mit Zwischenstopp in Südfrankreich

Mit dem Zug nach Barcelona, das ist kein Problem mehr. Mit einem Umstieg in Paris erreicht man die Metropole am Mittelmeer inzwischen zumindest von West- und Süddeutschland aus bequem innerhalb eines Tages. Ich wählte für die Hinfahrt jedoch einen Zwischenstopp im südfranzösischen Nimes, denn schließlich sollte der Urlaub nicht ganz so rasant beginnen und in dem sehenswerten Städtchen war ich bislang noch nicht gewesen.

Die Fahrt beginnt halb acht am Morgen im badischen Karlsruhe. Der doppelstöckige TGV Duplex aus Stuttgart fährt pünktlich und mit dem Autor dieser Zeilen ab und ist an diesem Samstagmorgen mäßig ausgelastet. Ich habe mich für einen Platz in der unteren Etage entschieden, in der es meines Erachtens nach etwas ruhiger ist, weil kein Durchgangsverkehr herrscht. Im Doppelstock-TGV kann man nämlich nur oben von Wagen zu Wagen durch den Zug gehen. 

Nach dem Überqueren der Rheinbrücke bei Kehl erreichen wir den Bahnhof von Straßburg, wo unser Zug mit einem weiteren TGV zusammengekuppelt wird. Eine gute Gelegenheit für ein Zigarettchen und einen Schnappschuss. Der Zug ist nun deutlich besser besetzt und nach einer knappen Viertelstunde einigermaßen langsamer Fahrt auf dem - wie in Deutschland auch üblichen, rechten Gleis - erreichen wir die Neubaustrecke nach Paris, wo auf den sonst in Frankreich gängigen Linksverkehr gewechselt wird. Es wird auf ansprechende 200 km/h beschleunigt. Nach einer guten halben Stunde darf dann endlich die sagenhafte Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h gefahren werden, wovon im Zug jedoch kaum etwas zu bemerken ist.

Nach knapp drei Stunden - ab dem Fahrplanwechsel Ende dieses Jahres wird die Fahrtzeit nochmals sinken - erreichen wir den Pariser Ostbahnhof. Von hier aus ist nun ein Transfer zum Lyoner Bahnhof notwendig, da dort die Züge in Richtung Süden abfahren. Ich entscheide mich dafür, die Distanz mit dem Stadtbus zu überbrücken. 

Nach etwa 25 Minuten stehe ich am Gare de Lyon und habe noch ein wenig Zeit, mich über die horrenden Preise für Sandwiches und Baguettes zu echauffieren und die schwer bewaffneten Polizisten zu beobachten, die versuchen, der allgegenwärtigen Terrorgefahr ein gewisses Sicherheitsgefühl entgegenzusetzen. Aus ähnlichem Grund wurden übrigens auf allen großen Bahnhöfen Frankreichs Bildschirme installiert, die im Falle eines Anschlags oder einer Gefahr durch entsprechende Symbole hinweisen. 

Der Lyoner Bahnhof besteht aus drei verschiedenen Abfahrtshallen und wie in Frankreich und vielen anderen Ländern üblich wird das Gleis des jeweiligen Zuges erst bei der Bereitstellung bekannt gegeben. Dennoch fällt sofort auf, dass hier einiges besser organisiert ist, als bei uns. Zwar sorgen die enormen Menschenmassen für rege Betriebsamkeit im Bahnhof, chaotische Szenen wie ich sie aber etwa aus Frankfurt oder Hamburg kenne, gibt es hier nicht. Jeder scheint informiert zu sein, Bahnsteige werden erst kurz vor Abfahrt betreten, die Tickets für meinen iDTGV beispielsweise waren allesamt nur online erhältlich und werden bereits vor dem Betreten des Zuges direkt am Bahnsteig kontrolliert. Die Reservierungspflicht sorgt dafür, dass jeder Reisende einen Sitzplatz hat, für Gepäck steht in jedem Waggon ausreichend Stauraum zur Verfügung. Nach weiteren drei Stunden Fahrt finde ich mich im sonnigen Südfrankreich wieder, in Nimes - ein ziemlich schönes Gefühl.

In Nimes wurde nicht nur der Stoff für die weltberühmte Denim-Jeans erfunden, es gibt auch zahlreiche antike Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, darunter das gut erhaltene Amphitheater und ein römischer Tempel. Kleine Cafés und niedliche Gassen laden zum Verweilen ein.

Das Urlaubsgefühl hat sich sofort eingestellt. Am Morgen noch im kalten Karlsruhe, nachmittags das warme Südfrankreich - und das alles für gerade mal 69 Euro (Sparpreis), es könnte kaum schöner sein. Nach einer geruhsamen Nacht und einem französischen Frühstück am Bahnhof (Café au lait und Croissant) wandert der Blick auf die Zugzielanzeiger: 09:04 Uhr, Madrid. Das ist schon ziemlich cool...

Die Zeit der Hochgeschwindigkeit ist hier noch nicht angebrochen. In mäßigem Tempo fährt der spanische TGV aus Marseille kommend weiter über Montpellier und Narbonne (einstmals Ziel von Autoreisezügen aus Deutschland) bis fast zur spanischen Grenze nach Perpignan. Der Zug ist schwach besetzt, es werden Kopfhörer für das Audioprogramm ausgeteilt, die gelben Sitze erinnern stark an die IC-Großraumwagen der 1980er Jahre. Im Barwagen wird Rotwein aus Kunststoffflaschen verkauft, eingeschenkt wird standesgemäß in Plastikbecher. Draußen sind erst das Mittelmeer, dann die Pyrenäen zu sehen. 

Unmittelbar nach Überqueren der spanischen Grenze geht es auf die Schnellfahrstrecke und endlich wird wieder Hochgeschwindigkeit gefahren. Die Ausblicke auf interessante Landschaft werden dadurch schlagartig weniger. Lärmschutzwände und Tunnels wechseln sich ab, und nach nicht einmal drei Stunden seit Nimes und ziemlich langer Tunnelfahrt unter dem Stadtgebiet meines Reisezieles erreichen wir den unterirdisch gebauten Bahnhof Barcelona-Sants. Hier steige ich aus und mit mir auch zwei Polizisten und der von ihnen eben im Zug verhaftete mutmaßliche Kriminelle. Es gilt die Unschuldsvermutung. Am Nachbarbahnsteig steht ein alter Bekannter, der ICE 3, im Kleid der spanischen Eisenbahngesellschaft RENFE.

Barcelona

Rolltreppen führen mich kurz ans Tageslicht, doch sogleich fahre ich wieder hinab zur Metro, denn ein paar Stationen sind es noch bis in die Innenstadt. Dann endlich: Palmen, Cafés, Barcelona. Toll!

In den folgenden vier Tagen kann ich nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Stadt bestaunen, auch die Kabinenseilbahn zum Montjuïc und eine Fahrt mit der Standseilbahn auf den Tibidabo stehen auf dem Programm. Dazu natürlich leckeres Essen, guter Wein und die Sagrada Familia.

Die Zeit vergeht zu schnell, zu viel gäbe es noch zu sehen und in Barcelona fühle ich mich sehr wohl. Ein letzter Blick vom historischen Vergnügungspark des Tibidabo auf die Stadt und der Tag der Rückreise naht.

Die schnelle Rückfahrt

Nun geht alles ganz schnell. Im französischen TGV (Abfahrt halb zehn morgens) jagen wir erst gemächlich, dann mit 300 Sachen durch Frankreich und am späten Nachmittag stehe ich schon wieder im Pariser Ostbahnhof, von wo mich der deutsche ICE über Saarbrücken nach Mannheim bringt. Nach der Grenze steigt dann auch das Restaurant-Personal zu und so beschließe ich den Tag mit Chili con carne und Hefeweizen im Bordbistro. Am Morgen noch im Hotel in Barcelona stehe ich nun kurz nach acht abends auf dem zugigen Bahnsteig des Mannheimer Hauptbahnhofes. Eine rasanter Kurzurlaub mit der Eisenbahn geht zu Ende und ein bisschen Staunen bleibt noch zurück, bedenkt man Entfernung und Reisezeit der zurückliegenden Fahrt. Über 1.600 Kilometer in gerade mal elf Stunden...

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