Juli 2017

Ein Urlaub erster Klasse

Wer später fährt, ist früher da!

2. Teil: Danzig, Hel und Frombork

Für vier Nächte haben wir in Danzig eine Ferienwohnung in ziemlich guter Lage zwischen Bahnhof und Innenstadt gemietet. Den ersten Tag möchten wir der Stadtbesichtigung widmen, auch weil die Wettervorhersage noch nicht so prickelnd ist. Dann ist ein Ausflug auf die Halbinsel Hel (Hela) geplant und schließlich noch der Besuch von Frombork (Frauenburg), gelegen am Frischen Haff in der Nähe von Elbląg (Elbing). Dann erst fahren wir weiter in die Masuren.

Von Danzig nach Hel und mit dem Schiff nach Sopot, Ausflug nach Frombork
Von Danzig nach Hel und mit dem Schiff nach Sopot, Ausflug nach Frombork

Unseren ersten Tag in Danzig beginnen wir selbstverständlich mit einem Rundgang durch die Altstadt. Auf dem Langen Markt gibt es eine kleine Fotoausstellung über hiesige Staatsbesuche seit 1990. 

Interessant ist auch die neue klappbare Fußgängerbrücke zur Bleihof-Insel. Sie wurde erst im Juni dieses Jahres eröffnet.

Vorbei an der berühmten Alten Post spazieren wir dann noch zum Solidarność-Museum. Sowohl die Art und Weise der Ausstellung, als auch die Architektur des Gebäudes sind ziemlich beeindruckend.

Am späten Nachmittag fahren wir dann noch mit der Straßenbahn kurz nach Brzeźno ans Meer. Hier können wir unter anderem einen Kreisverkehr nur für Fahrräder entdecken.

Am Abend - und das ist eine Empfehlung - lohnt es sich durchaus, den  Góra Gradowa (Hagelsberg) zu "besteigen". Er ist stolze 46 Meter hoch und befindet sich ziemlich direkt hinter dem Hauptbahnhof. Hier hat man seine Ruhe und einen schönen Blick über die Stadt.

Auf den nun folgenden Tag habe ich mich ganz besonders gefreut. Es geht auf die Halbinsel Hel - und zwar mit dem Zug. Natürlich nicht mit irgendeinem, sondern mit dem legendären TUR, der auch in diesem Jahr noch aus Choinice (Konitz) kommt und von einer Diesellok der Baureihe SU-42 bespannt wird. An ihrem zierlichen Haken sind - noch immer - Doppelstockwagen aus Görlitz von 1977.  Doch bevor die von uns sehnsüchtig erwartete Eisenbahn in den Danziger Hauptbahnhof einfährt, gilt es noch ein paar seiner Kollegen abzulichten. 

Dann kommt er endlich um die Ecke. Passend zu diesem historischen Zugverband strahlt die Sonne, der Himmel ist blau, der Schaffner freundlich und es gibt ausreichend Sitzplätze.

Die Fahrt führt zunächst nach Gdynia (Gdingen). Hier können wir aus dem zu öffnenden Fenster heraus einen Blick auf die Abstellanlagen werfen. Viele der Wagen und Lokomotiven sind in keinem sonderlich guten Zustand.

Ein paar Kilometer weiter nördlich biegt unsere Strecke ab in Richtung der Halbinsel Hel und wird eingleisig. Heute scheint aber alles zu funktionieren, denn trotz des Sommerfahrplanes, in dem hier eine ziemlich dichte Zugfolge herrscht, klappen die Kreuzungen an den Unterwegsbahnhöfen gemäß dem Fahrplan. Jeder Aufenthalt ist natürlich auch eine gute Gelegenheit zum Fotografieren.

Eisenbahn in Reinkultur. Fenster auf, Kopf raus, Diesel atmen...
Eisenbahn in Reinkultur. Fenster auf, Kopf raus, Diesel atmen...

Interessanterweise führt unser Zug als ersten Wagen nach der Lok einen modernisierten Doppelstockwagen. Von ihm aus ist aber kein Durchgang zu den anderen Waggons möglich.

Nach stolzen zweieinhalb Stunden Fahrt erreichen wir pünktlich den Endbahnhof auf Hel. Der inzwischen gut gefüllte Zug leert sich, die Lok setzt um und bereitet sich auf die Rückfahrt vor. Wir machen noch ein paar Bilder und folgen dann den Massen in Richtung Dorfmitte.

Endbahnhof Hel
Endbahnhof Hel

Ein Teil unserer zweiköpfigen Reisegruppe möchte unbedingt die Robben in der Aufzuchtstation angucken. Leider halten wir den Geldwechselautomat für eine Ticketmaschine und so gehen ein paar Złoty verloren, bis man uns mitleidig durch das Drehkreuz schleust. Die Robben wirken - wer hätte es gedacht? - nicht übermäßig fröhlich in dem ihnen zugewiesenen betonierten Lebensraum. Also schnell weiter! Im bekannte Fischrestaurant KUTTER lassen wir uns die Mägen füllen, dazu gibt es meinen absoluten Bierfavoriten, ein Żywiec Białe. Dann laufen wir an den Strand.

Der Blick auf das offene Meer. Was gibt es Schöneres?
Der Blick auf das offene Meer. Was gibt es Schöneres?

Schon bald heißt es: Abschied nehmen. Mit dem Schiff fahren wir in knapp zwei Stunden hinüber zur Seebrücke von Sopot. Bis auf die musikalische Untermalung an Bord ist dies eine hervorragende Alternative zur Rückfahrt mit dem Triebwagen. Und von Sopot kommen wir unproblematisch mit der S-Bahn wieder zurück nach Danzig.

Der letzte Tag an der Ostsee führt uns nach Frombork (Frauenburg). Zunächst finden wir uns also, wie bereits am Tag zuvor, wieder am Hauptbahnhof ein. Diesmal geht es aber in die andere Richtung, nach Elbląg (Elbing). Aber wir sind wieder zu früh dran und so müssen erneut erst einmal andere Züge dran glauben.

Mit einem so genannten KIBEL fahren wir über die berühmte Weichselbrücke bei Tczew (Dirschau). Die parallel zur Eisenbahn verlaufende Autobrücke ist seit einigen Jahren für den Verkehr gesperrt, wird momentan aber tüchtig saniert - ein gutes Zeichen. Einige Minuten später können wir auf der rechten Seite die Marienburg bestaunen und nach etwa einer Stunde erreichen wir Elbląg.

Statt eine kurze Besichtigung des Ortes in Betracht zu ziehen, entscheiden wir uns für einen von einer Bus-App angeordneten Irrweg in Richtung eines Industriegebietes, wo ein weiterer Busbahnhof sein soll. Als wir diesen mangels Existenz jedoch nicht finden und uns die Brotkrumen für die Markierung des Rückweges fast ausgegangen sind, beschließen wir, den Mantel des Schweigens über dieses Kapitel zu legen und laufen kleinlaut zurück zum Bahnhof. Von hier fährt wie selbstverständlich ein Bus nach Frombork. 

Fotografischer Beifang beim Umherirren in der Stadt: eine Straßenbahn.
Fotografischer Beifang beim Umherirren in der Stadt: eine Straßenbahn.
Unsere zweite Wahl: der Busbahnhof von Elbląg.
Unsere zweite Wahl: der Busbahnhof von Elbląg.

Zum bereits dritten Mal bin ich in Frombork. Einst noch mit der Haffuferbahn angereist, kann ich diesmal nur ein Foto vom verwaisten Bahnhof machen. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Hafen und ein kleiner Gedenkstein für die ostpreußischen Flüchtlinge.

Auch der liebenswerte Domführer, der uns einst die architektonischen Besonderheiten des Kirchenbaus und die Erkenntnisse des Nikolaus Kopernikus im benachbarten Radziejowski-Turm vermittelte, ist inzwischen leider verstorben, wie ich im Vorfeld unseres Besuches erfahren musste. Für ihn entzünde ich eine Kerze im Dom.

Nach Betrachten der Grabstätte von Kopernikus und des bekannten Pendels, das die angebliche Bewegung der Erde zeigen soll, fahren wir mit dem Bus wieder zurück nach Elbląg. Von dort bringt uns ein Schnellzug im nicht schönen, aber modernisierten Großraumwagen nach Danzig. Die wunderbaren KIBEL müssen diesmal ohne uns auskommen.

Ein KIBEL in Elbląg.
Ein KIBEL in Elbląg.
Modernisierter Schnellzugwagen von PKP IC
Modernisierter Schnellzugwagen von PKP IC

Ein Intercity in Form des STADLER FLIRT begegnet uns schließlich noch. Ihn werden wir in einer Woche noch bei der Fahrt von Warschau nach Krakau benutzen wollen. 

Ein Flirt mit der modernen Eisenbahn: ein FLIRT von Stadler
Ein Flirt mit der modernen Eisenbahn: ein FLIRT von Stadler

Die vier Tage in Danzig und die erste Woche des Urlaubs sind nun bereits Geschichte. Morgen Früh werden wir ein letztes Mal am Hauptbahnhof stehen - für die Weiterreise in die Masuren. 

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