April 2015

Frühlingswinter Hohe Tatra

Mit der Eisenbahn in die Slowakei

2. Teil - Ausflug nach Štrbské Pleso

Nachdem wir angekommen waren und die erste Nacht in der Ferienwohnung erholsam hinter uns gebracht hatten, war es an der Zeit für ein paar Ausflüge. Am ersten Tag war der Urlaubs- und Wintersportort Štrbské Pleso unser Ziel. Ein Blick aus dem Fenster versprach frühlingshaftes Wetter und so begaben wir uns einigermaßen leicht bekleidet auf den Weg zur örtlichen Bushaltestelle, denn die Tatrabahn fuhr wegen Gleisbauarbeiten an diesem Tage teilweise im Schienenersatzverkehr. Tatsächlich fanden wir an der Kirche ein kleines Wartehäuschen vor, jedoch nur auf der Straßenseite in Richtung Poprad. Dennoch postierten wir uns dort und nach ein paar Minuten kam der SEV-Bus wie vorgesehen und hielt an, um uns einzusammeln.

Karte
Bushaltestelle an der Kirche mit verlassenem Kiosk

Im gemütlichen Reisebus fuhren wir nun, beschallt von slowakischen Volksweisen aus dem Radio, nach Starý Smokovec, wo die Tatrabahn auf uns wartete. Unterwegs fuhr der Bus an ein paar winkenden Frauen vorbei, wegen denen wir jedoch zunächst nicht hielten. Erst an der nächsten Haltestelle besann sich unser Fahrer seines warmen Herzens und setzte das Gefährt rückwärts in Gang, um nach etwa 600 Meter Schleichfahrt doch noch die Nachzügler aufzunehmen. Beim Einsteigen raunte er etwas wie "na wenigstens keine tschechischen Touristen" und der ganze Bus lachte. Unseren Anschluss im schon leicht verschneiten Starý Smokovec erreichten wir trotz dieser Verzögerungen ohne Probleme.

SEV-Bus in Stary Smokovec

Starý Smokovec stellt einen wichtigen Knotenpunkt der Tatrabahn dar. Hier treffen die Strecken von Tatranska Lomnica, Štrbské Pleso und Poprad-Tatry aufeinander und man kann stündlich bequem zwischen den Linien umsteigen. Außerdem gibt es im Bahnhof ein kleines Bistro und einen Fahrkartenschalter.

Auch wenn die kurvige Strecke bis Štrbské Pleso eigentlich nicht weit ist, braucht die Tatrabahn mit ihrem sehr entspannten Tempo doch eine ganze Weile für die knapp 30 Kilometer. Die Aussichten sind teilweise wunderbar, man blickt weit ins Tal und auf der anderen Seite hinauf zu den schneebedeckten Bergen. Nervig sind nur die an jeder Station wiederkehrenden Ansagen ("Fahrkarte in Entwerter entwerten") in drei Sprachen und schlecht ist auch, dass es an Bord keine Toilette gibt. Der Himmel zieht sich an diesem Morgen ein wenig zu und der Schnee am Rand der Strecke wird immer mehr. Wir schauen unser Frühlingsoutfit an und kommen langsam ins Zweifeln. Und in Štrbské Pleso, auf etwa 1700 m gelegen wird beim Aussteigen endgütlig klar: wir sind falsch gekleidet. Trotzdem stapfen wir los.

Ankunft in Strbske Pleso

Im Wintersportort Štrbské Pleso trifft die Tatrabahn im Bahnhof auf die Zahnradbahn von Štrba, mit der wir später noch fahren werden. Jetzt wollen wir erstmal ein bisschen wandern, einen zugefrorenen See gilt es zu umrunden, zuvor soll aber natürlich noch der Bahnhof dokumentiert werden.

Zahnradbahn

Während der Wanderung durch den hohen Schnee kommt die Sonne raus und wir verbrennen uns ziemlich im Gesicht. Uns begegnen einige Langläufer auf ihren Ski und es bieten sich Ausblicke nach oben in die Berge, unter anderem zu den beiden Skisprungschanzen, von denen eine aber schon lange nicht mehr in Betrieb ist.

Blick auf die Sprungschanze

Wir haben Hunger und siehe da, vor uns tut sich ein Gasthaus auf, aus dem ortstypische Musik dudelt, Geweihe und ausgestopfte Tiere im Inneren verstärken den gemütlichen Eindruck und als Knoblauchsuppe und Bier serviert werden, sind wir schon selig. Nur die Kinder ningeln, denn Brimsen schmecken ihnen einfach nicht. Zum Schluss bekommen wir einen Beerenlikör serviert und der Kellner wünscht dazu fröhlich "Grüß Gott", meint aber wohl "Prost".

Nach dieser Stärkung und als die Kinder fertig sind, riesige Eiszapfen zu lutschen, gehen wir noch ein Stück bis zum Skihang, wo ein Sponsor auf "lustige Weise" für das Urlaubsland wirbt und außerdem ein Sessellift und viele Skifahrer zu bestaunen sind.

Zurück am Bahnhof warten wir auf die Zahnradbahn, die uns nach Štrba bringen wird, von wo aus wir dann mit der "richtigen" Eisenbahn wieder nach Poprad gelangen werden. Das rote historische Fahrzeug bildet im weißen Schnee einen tollen Kontrast. In der Bahn breche ich vor lauter Übermut leider einen Fenstergriff ab. Entschuldigung.

Auf der etwa fünfzehnminütigen Fahrt hinunter nach Štrba bieten sich erneut fantastische Aussichten. Der Schnee wird mit jedem Meter weniger und in der Talstation haben wir noch ein wenig Zeit für Fotos. Der Bahnhof Štrba ist besonders sehenswert, denn hier weht noch die längst vergangene, gute alte Zeit durch die Räume. Plakate von Ski-Weltmeisterschaften aus den 19070er Jahren und Unmengen an Eisenbahnutensilien sind an den Wänden zu begutachten - Zuglaufschilder, Fahrpläne und Fotos. 

Auch am Bahnsteig ist meistens etwas los in Štrba. So schleicht auch heute wieder ein Güterzug durchs Bild, es gibt alte Formsignale zu bewundern, welche man dankenswerterweise zur Erinnerung an der Seite aufgestellt hat, eine ranzige Bahnhofswirtschaft wartet auf Gäste. Dann fährt unser Zug nach Poprad ein und bringt uns schnell und bequem wieder (fast) an unseren Ausgangspunkt. 

Den Bahnhof Poprad kann ich nicht durchqueren, ohne Fotos zu machen. Zum einen ist die Architektur des Turmbahnhofes reizvoll, zum anderen gibt es auch immer etwas zu sehen. Sei es der abgestellte Schlafwagen, eine rangierende Tatrabahn oder ein Rychlik mit 13 Wagen, der hier kurz Halt macht. Immer im Hintergrund die beeindruckende Bergkette. Wir kaufen noch etwas zum Kochen im örtlichen BILLA und machen uns auf dem Heimweg in die Ferienwohnung.

Poprad-Tatry

Als wir in unserem kleinen Dorf ankommen und aus dem Zug gestiegen sind, möchte ich noch einmal kurz die wunderbaren Berge mit meinem Smartphone fotografisch festhalten. Dabei rutscht mir das Teil aus der Hand und knallt auf einem Stein am Boden mit der "belegten Seite" auf. Das noch nicht sehr alte Mobiltelefon ist hinüber. Stille kehrt im Ort, zwischen den Kindern, meiner Freundin und mir ein. Gesenkten Hauptes schlappe ich nach Hause. Niemand anderes war Schuld, nichts ist mehr rückgängig zu machen. 

letztes Foto, wenige Sekunden vor dem Aufprall des Smartphones auf dem Boden
letztes Foto, wenige Sekunden vor dem Aufprall des Smartphones auf dem Boden

Fotos: eigene Aufnahmen, D. Brückner

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