April 2015

Frühlingswinter Hohe Tatra

Mit der Eisenbahn in die Slowakei

1. Teil - von Dresden über Bratislava nach Poprad-Tatry

Eine Woche Hohe Tatra mit Kind und Kegel stehen an. Das erste Etappenziel der Reise ist Bratislava (Pressburg), die Hauptstadt der Slowakischen Republik. Der mitreisenden Kinder zum Gefallen und weil es die Fahrt abwechslungsreicher macht und somit den Genuss des Reisens mit der Eisenbahn verlängert, wird die Route in Prag gebrochen. Normalerweise kann man von Dresden auch zweistündlich durchgehend nach Bratislava fahren, so aber kommen wir in den Genuss des Railjets (und damit des Kinderkinos). Ab Břeclav (Lundenburg) fahren wir dann über Kuty nach Bratislava, wo wir einmal übernachten, um dann am nächsten Tag frohen Mutes in die Hohe Tatra zu reisen.

Die Aufregung ist groß, als wir am Ostermontag das Haus verlassen und in die Straßenbahn zum Dresdner Hauptbahnhof steigen, denn so weit sind wir mit den Kindern noch nie gefahren und mit der Eisenbahn zu reisen bedeutet auch immer, sich etwas anders vorzubereiten, als wenn man mit dem Auto in den Urlaub fährt. Aber wir haben alles gut in Rucksäcke und einen Koffer verpackt und sogar die Kinder beteiligen sich, indem sie den Proviant tragen. Pünktlich beginnt die Reise im EuroCity HUNGARIA nach Prag. Wegen der Osterfeiertage ist der Zug gut gefüllt, aber wir haben Plätze im Kleinkindabteil reserviert, in welchem noch ein Vater aus Wien mit seiner Tochter sitzt. Es stellt sich heraus, dass wir uns auch im Railjet ab Prag noch einmal sehen werden.

Dresden Hbf am Ostermontag

In Prag verlassen wir den Zug und stürzen uns in das Getümmel des ziemlich vollen Bahnhofs. Weil Urlaub ist, wir eine Stunde Zeit und keine Lust zum Suchen haben, ertragen wir einen Besuch im Restaurant Burger King. Der Magen ist nun mit allerlei Ungesundem gefüllt und so gestärkt gehts zurück zum Bahnsteig. Noch schnell ein paar Fotos machen und schon wird der Railjet der ÖBB bereitgestellt, ziehen darf ihn heute allerdings ein blauer Taurus der České dráhy (ČD). Ihn habe ich in der Menschenmenge nicht würdig ablichten können, dafür aber am Hausbahnsteig einen Schnellzug erlegt.

Schnellzug in Praha hl.n.

Da für mich gute Vorbereitung alles ist, habe ich rechtzeitig vor der Reise im Railjet die Plätze unmittelbar am Kinderkino reserviert. Hierbei handelt es sich um eine Ecke des ersten Großraumwagens nach der Lokomotive, in der die Kinder auf einer Art Podest sitzen können und auf einem Bildschirm mehr oder weniger sinnvolle/kindgerechte Filme gezeigt werden. Leider mussten wir feststellen, dass sich das Programm nach gut 60 Minuten bereits wiederholt, was unsere Kinder aber nicht davon abhielt, bis Břeclav trotzdem dreimal das selbe zu schauen. Wir hingegen orderten im Speisewagen Bier und bestaunten die Landschaft.

Notausstieg, Spiegelung, Bier - verwirrend?!

Ein Wort zum gastronomischen Angebot im Railjet sei noch verloren: der Speisewagen entpuppt sich als ziemlich ungastlich eingerichtete, überhitzte Bude, in der zwei zwar hübsch anzusehende, aber dennoch ziemlich gestresst wirkende Mitarbeiter weitgehend abgepackte und mikrowellenerhitzte Snacks zu völlig überzogenen Preisen verkaufen. Das fehlende Ambiente wurde allerdings durch eine lustige Beobachtung wettgemacht, als zwei amerikanische Touristinnen vor mir darauf bestanden, ihre Cookies in der Mikrowelle warm gemacht zu bekommen. Das Ergebnis war dann nicht mehr transportabel. Positiv zu bewerten ist, dass es für die Kinder sogar Malbücher und Buntstifte gab - während in Deutschland im Kleinkindabteil des ICEs dem Schaukelpferd der Kopf abgeschlagen wurde, zeigt man sich im Ausland - und das wird die weitere Reise noch bestätigen - wesentlich kinderfreundlicher. Die Kleinen starren gebannt auf den Fernseher, wir lassen derweil Brno (Brünn) an uns vorüberziehen. 

Wegen einiger baubedingt nur eingleisig befahrbarer Abschnitte haben wir gute 10 Minuten Verspätung, die aber keinen Anschlusskonflikt nach sich ziehen, als wir in Břeclav umsteigen. Uns begegnet ein Railjet-Gegenzug der ČD, dessen blauen Wagen von einer weinroten ÖBB-Lokomotive geschoben werden. Der Ästhetik wegen hätte man unsere Triebfahrzeuge ja mal austauschen können. Doch der Gedanke verfliegt schnell, denn ein kleiner Höhepunkt unserer Fahrt naht: mit einer Brotbüchse geht es über die Grenze nach Kúty.

abfahrbereite Brotbüchse in Lundenburg

Der Schaffner kontrolliert unsere Online-Tickets gewissenhaft und überreicht den Kleinen dann freundlich Kinderfahrkarten. Draußen sind zwei Stationen und ein paar abgestellte Lokomotiven sowie die March zu bestaunen, der Grenzfluss zwischen Tschechien und der Slowakei, den wir mittels einer Brücke überwinden.

Nach einer viel zu kurzen Fahrt (die Brotbüchse war so schön gemütlich) sind wir in der Slowakei und müssen in Kúty umsteigen. In der Nachmittagssonne wartet ein moderner slowakischer Doppelstockzug auf uns, der nur im Badezimmer des Steuerwagens eine kleine Schwäche offenbart: nach Betätigung des Händewaschwasser-Buttons sprudelt dieses unkontrolliert und fontänenartig aus dem Rohr, ohne wieder aufzuhören. Schnell schließe ich die Tür und suche unschuldig ein Lied pfeifend das Weite.

Auf die Minute pünktlich fahren wir gegen halb sechs in Bratislava ein. Die slowakische Hauptstadt zeigt sich im Bahnhofsumfeld noch ursprünglich, besticht heute aber durch wunderbares Frühlingswetter. Nach dem obligatorischen Anfertigen von Zugfotos kaufen wir am Automaten Busfahrkarten für uns und das Gepäck und fahren zu unserem Appartement am Stadtrand.

Die Ferienwohnung ist ziemlich luxuriös eingerichtet, großzügig bemessen, sehr sauber und modern. Wir fühlen uns gleich wohl. Ein Besuch im BILLA-Markt und die Erkundung des näheren Umfeld relativieren diese Eindrücke dann wieder ein wenig.

Mit dem Verzehr eines selbst zubereiteten Nudelgerichtes und dem Trinken einiger hiesiger Biere beschließen wir den Abend. Am darauffolgenden Morgen müssen wir uns schon wieder von der schicken Wohnung und damit auch von dem Geschirrspüler mit Restzeitanzeigenprojektion auf dem Fußboden verabschieden.

Wie am Vortag ist der Bus modern, aber rappelvoll. Geradezu altmodisch kommen die Haltestellen daher, doch für mich sind sie selbstredend eine Bereicherung und in den östlichen Ländern noch immer Ausdruck eines besonderen Flairs. Gleiches gilt z.B. für Briefkästen.

Ein ähnlich nostalgisches Bild bietet sich im Umfeld des Hauptbahnhofes von Bratislava. Noch steigt man hier nicht in einem Einkaufszentrum aus, nein - hier erwarten den Reisenden noch Dreck, Busse, Straßenbahnen, Tauben und merkwürdige Überdachungen. Wir werden dem allem vielleicht nicht hinterhertrauern, aber für immer vergangen ist dieses einzigartige Flair eines Bahnhofsviertels irgendwann auch hier. Immerhin: das Flügelrad thront stolz auf dem Dach des Empfangsgebäudes, ganz so, wie es sein soll.

Empfangsgebäude

Im Bahnhofsgebäude selbst bieten adrett gekleidete Gepäckträger mit Namensschild den Reisenden ihre Dienste an. Wir tragen unser Geraffel aber selbst zum Zug. Da noch ein wenig Zeit bis zur Abfahrt ist, kann erneut fotografiert werden. Währenddessen wird am Hausbahnsteig unser Rychlik in Richtung Poprad-Tatry bereitgestellt. Heute führt er zusätzlich zum normalen Speisewagen noch einen weiteren solchen mit sich, der allerdings nicht geöffnet ist. Ein Speisewagen genügt ja auch.

Bratislava hl.st.
2. Etappe

Mit Hilfe der Kollegen in einem einschlägigen Forum habe ich exakt unsere Wunschplätze reserviert. Im Kleinkindabteil eines modernisierten Mehrzweckwagens mit Gepäckabteil und in direkter Nachbarschaft zum Speisewagen, den wir später natürlich noch besuchen werden. Bis Žilina aber vertreiben wir uns die Zeit mit Malen, Spielen und aus dem Fenster gucken. Unterwegs sehen wir unter anderem ein Stadion mit sehr markanten Flutlichtmasten.

Stadion, unterwegs
Gegenzug

Kaum haben wir den Bahnhof Žilina verlassen, packen wir unser Hab und Gut zusammen und ziehen einen Wagen weiter ins Restaurant um. Hier erwartet uns slowakische Gastlichkeit zum kleinen Preis. Bier für einen guten Euro, ein frisch geklopftes und selbst zubereitetes Schnitzel und Blumenschmuck auf dem Tisch. Draußen werden die ersten Berge der Tatra sichtbar und niemand von uns zweifelt in diesem Moment daran, dass mit dem Zug in den Urlaub zu fahren einfach nur wunderbar entspannend ist. Wenn man gut plant und Glück hat.

Kaum sind Schnitzel und Bier im Magen, ist die Zeit auch schon so weit fortgeschritten, dass wir uns zum Aussteigen vorbereiten müssen. Die Fahrt von Dresden bis hierhin hat uns übrigens 58 Euro gekostet. Jetzt aber wird Poprad-Tatry angesagt und wir verlassen den Zug. Noch eine Station mit der Tatrabahn und wir sind an unserem Urlaubsort. 

Poprad-Tatry

Die Tatrabahn ist eine elektisch betriebene Schmalspurbahn, die Poprad-Tatry mit den Urlaubsorten Štrbské Pleso und Tatranská Lomnica verbindet. Sie verkehrt stündlich und ist damit gut geeignet, in der Tatra mobil zu sein. Wir haben uns für 8 Euro ein 3 Tages-Ticket gekauft und fahren bis Veľký Slavkov, wo unsere Ferienwohnung auf uns wartet. Außerdem gibt es am Bahnhof noch eine Art Wendestelle sowie im Ort selbst eine Kirche, eine Schafsherde und einen Tante-Emma-Laden. Und einen grandiosen Blick auf die Berge.

Veľký Slavkov

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