Mai 2015

Just Lviv it!

zu Gast im wunderbaren Lemberg

Eine Reise Für die Sinne - Von Dresden über Breslau nach Lemberg

Mein nunmehr fünfter Ukraine-Aufenthalt begann in der Planung recht kurzfristig. Nur eine Woche vor Christi Himmelfahrt überlegten meine Freundin und ich, was wir am besten mit fünf kinderfreien Tagen anfangen könnten. Lemberg in der Westukraine, 1000 Kilometer entfernt, schien sich auf den ersten Blick nicht zu lohnen. Doch zum Glück gibt es ja Nachtzüge! Und so stand schnell fest: wir würden doch nach Lviv reisen - zwei Nächte im Zug und zwei vor Ort - fünf Tage, perfekt! Nun musste nur noch flugs ein vorläufiger Pass für meine Freundin besorgt werden, parallel buchte ich die Fahrkarten und am Mittwochmorgen vor dem so genannten "Vatertag" ging es dann auch schon los.

Karte

Wir entschieden uns für die Anreise über Polen, da der Nachtzug von Breslau nach Lemberg sein Ziel am Morgen erreicht und das Pendant auf der Rückfahrt die Ukraine erst Mitternacht verlässt - so würde der Aufenthalt optimal genutzt. Leider kann man seit März nicht mehr mit dem Zug auf direktem Wege von Dresden nach Breslau reisen, zudem war zwischen Löbau und Görlitz Schienenersatzverkehr angesagt. Die Reise begann also ungewohnterweise mit dem Auto. Dieses stellten wir dann in Görlitz ab und hier beginnt der Bericht. An der herrlichen, aber derzeit immer noch geschlossenen Stadthalle, direkt an der Neißebrücke, schießen wir das erste Foto. Meine Freundin raucht eine Zigarette und ich verkrümel mich nochmal kurz in die Büsche. Die Rucksäcke ruhen sich an der Laterne aus. Dann laufen wir über die Grenze hinüber ins nunmehr polnische Zgorzelec.

Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch erreichen wir den Haltepunkt Zgorzelec Miasto mit seinem prägnanten Empfangsgebäude (oder was war es einmal?) und einem Fahrkartenschalter im Container, den ich sogleich betrete. Mein erlernter Satz "Proszę dwa bilety do Wrocławia" wird verstanden und kommt gut an bei der Frau hinter der Glasscheibe. Für umgerechnet 10 Euro haben wir die Tickets bis Breslau in der Hand. Es bleibt noch Zeit für einen Cheeseburger im benachbarten Wirtshaus. Er schmeckt, obwohl es erst um 11 ist.

Pünktlich fährt der kleine Dieseltriebwagen aus Jelenia Góra am peron 2 ein und eine stattliche Anzahl an Reisenden nimmt in dem SA-134 Platz. Das Eisenbahn-Angebot auf der Strecke nach Breslau ist mau, die Nachfrage gut - der Verlust der drei Dresdner Zugpaare schmerzt.

Zgorzelec Miasto

Obwohl so viele Leute mit uns eingestiegen sind, scheinen sie sich gut verteilt zu haben, denn wir haben ausreichend Platz. Am Fenster wechseln sich Rapsfelder und Lärmschutzwände ab, die Strecke ist gut in Schuss gebracht worden und wir erreichen auf die Minute genau den wunderschönen Bahnhof Legnica (Liegnitz) mit seiner Kuppelhalle. Hier müssen wir umsteigen und zwar in den vorderen der beiden gegenüber bereitstehenden Elektrotriebwagen. Und mit uns noch eine ganze Menge anderer Menschen. Der Zug nach Wrocław (Breslau) füllt sich so bis auf den letzen Platz.

Blick aus dem Fenster, kurz vor Legnica
Breslau Hbf

Punktualnie, wie der Pole sagt, fahren wir in einen der schönsten Bahnhöfe Europas ein - Wrocław Główny (Breslau Hauptbahnhof). Nun haben wir gute drei Stündchen Zeit bis es weitergeht, der Durst auf ein kühles, frisch gezapftes Tyskie ist bereits groß. Mit der Straßenbahn fahren wir zur Dominsel, spazieren nur ein paar Minuten und werden fündig. Zwei Stühle und ein Tisch in der Sonne, den mächtigen Dom im Blick, flugs ergänzen Bier und Żurek die Szenerie - Urlaubsgefühle stellen sich ein! Vor lauter Genuss mache ich mal kein Foodporn-Bild. Auch gut.

Gesättigt und träge machen wir uns zu Fuß auf zur Markthalle, die ich meiner Freundin noch unbedingt zeigen möchte. Dann müssen wir auch schon wieder zurück zum Bahnhof, denn der Beginn einer Nachtzugreise will zelebriert werden, das ist nichts für kurz vor knapp. Folglich bleibt auch noch ausreichend Zeit, das betriebliche Geschehen im Bahnhof abzulichten. Unter anderem steht der Personenzug ins tschechische Pardubice bereit. In Polen gibt es bisweilen noch richtige Züge - mit Lokomotiven und Wagen. Auch der IC nach Stettin ist für mich ein solcher Hingucker. Schöne polnische Eisenbahnwelt, bald wird auch sie durch moderne Triebwagen nach und nach verändert werden.

Nur wenige Minuten vor der Abfahrt wird dann endlich unser Zug bereitgestellt. Die beiden Kurswagen nach Lemberg sind am Schluss des Intercity-Zuges nach Przemyśl eingereiht. Es handelt sich um ukrainische Schlafwagen, wie an jedem zweiten Tag. An den jeweils anderen Tagen kommen polnische Schlafwagen zum Einsatz.

Die mäßig freundliche ukrainische Schlafwagenschaffnerin kontrolliert unsere Reisepässe, Fahrkarten und die Reservierung und gewährt dann Einlass. Abteil Nummer 7 im letzten Wagen des Zuges gehört nun bis morgen Früh uns. Es ist 17 Uhr, als wir Breslau verlassen. Ein Waschbecken, ein kleiner Kleiderschrank mit Bügeln sowie Seife, Handtücher und Bettwäsche gehören zur Grundausstattung. Mineralwasser oder ähnliche Luxusgüter gibt es heute aber nicht. So müssen wir "leider" zum mitgebrachten Bier greifen. Aus dem Fenster am Zugschluss genieße ich einige Minuten lang den wunderbaren Blick auf die hinter uns liegenden Gleise.

Blick aus dem Fenster am Zugschluss

Unterwegs bieten sich immer wieder interessante Fotomotive. Gegen sieben Uhr wollen wir im Speisewagen zu Abend essen. Leider wird uns dieser Wunsch verwehrt, da sich die Schaffnerinnen weigern, die Verbindungstür von den Schlafwagen zum Rest des Zuges für uns zu öffnen. Also müssen wir mit den mitgebrachten Alternativen Würstchen, Brötchen und Bier Vorlieb nehmen. Kurz vor Krakau kommen wir an einem Vorortbahnhof für längere Zeit zum Stehen. Für fast eine Stunde, um es genau zu sagen. Da auch kein anderer Zug zu fahren scheint - es sind keine Gegenzüge oder Überholungen zu beobachten, gehe ich von einer Streckensperrung aus. Als es endlich weitergeht, bestätigt sich der Verdacht. Wir schleichen an einem im Gegengleis stehenden IC vorbei, dahinter beleuchtet Gleise und einige Polizisten und Bahnmitarbeiter in Warnwesten.

Streckensperrung vor Krakau

In Krakau angekommen stehen wir auch noch einmal eine ganze Weile herum. Dann geht es mit +45 wieder weiter. Nun ist es dunkel und weil die Nacht sehr früh zu Ende sein wird und die letzten Biere geleert sind, tritt mein imaginärer Schlafplan in Kraft und ich rufe die Nachtruhe aus. Wie so oft sind die Reisenden im Nebenabteil darüber nicht informiert, also helfe ich mit ein paar liebevollen, aber kräftigen Tritten gegen die Deckenverkleidung nach und irgendwann ist endlich Ruhe. Wir wachen auf, als jemand an die Tür klopft. Es ist kurz nach 2 Uhr und die polnischen Beamten verlangen nach unseren Pässen. Dann fahren wir gemächlich über die Grenze in die Ukraine. Das Umspuren der Wagen auf Breitspur passiert in unserem Fall unter dem langsam rollenden Rad, nahezu unbemerkt. Und schon bald stoppt der Zug abermals. Inzwischen hat man uns auch noch eine Stunde Zeit genommen. Ich habe meine Freundin schon auf die umfassenden ukrainischen Zollkontrollen eingeschworen, wenngleich ich in den letzten Jahren feststellte, dass diese tendenziell doch immer kürzer und unkomplizierter werden. Vor drei Jahren musste ich noch den Inhalt meines Waschbeutels detailliert offenbaren. Im letzten Jahr war nur noch der Koffer zu öffnen. Diesmal aber ein Novum: der Mann mit dem übergroßen Hut und seine blonde Kollegin sammeln lediglich die Pässe ein, stempeln die kleine, rote Eisenbahn hinein und teilen sie wieder aus. Zack fertig, Grenzkontrolle. Noch eine Stunde, dann sind wir schon in Lemberg. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, die Sonne geht auf.

kurz vor Lviv
Foto: D. Brückner

Einfahrt in den wunderschönen Hauptbahnhof von Lemberg. Unser gemeinsamer Freund, der in Lemberg wohnt, steht schon am Bahnsteig, um uns abzuholen - und das morgens um 6. Müde, aber voller Vorfreude steigen wir aus und begrüßen ihn herzlich.

Hauptbahnhof Lemberg

Es ist ein Nachteil dieser Art von Anreise. Über Polen kommend ist man immer viel zu früh in Lemberg, von der Slowakei her sehr spät am Abend. Vielleicht wird das irgendwann mal besser. Heute aber heißt es einmal mehr: Zähne zusammenbeißen, Stäbchen zwischen die Augenlider und durchhalten, bis wir gegen Mittag in die Unterkunft können. Mit der Straßenbahn fahren wir zuerst einmal zum Rynok im Stadtzentrum. Eine Fahrkarte kostet 2 Hryvnja, man kann sie beim Fahrer oder der Fahrerin, am Kiosk oder den mittlerweile doch recht zahlreich vorhandenen Automaten kaufen. Der Akt der Ticket-Entwertung ist ein Erlebnis, die Karten werden nämlich mechanisch gelocht.

Wir steigen hinab in den Partisanenkeller, eine der vielen thematischen Kneipen in Lemberg. Einlass erhält man, wenn man an der Tür die richtige Parole nennt. Dann gibt es einen Schnaps (an diesem Morgen aber zum Glück nicht) und man kann in einem ziemlich großen Gewölbekeller Platz nehmen. Der Laden hat rund um die Uhr geöffnet und abgesehen von der bisweilen nervtötenden Musik ist es wirklich ganz nett hier. Der Kaffee tut jedenfalls gut, aber wir merken bereits, dass es wegen der Müdigkeit noch hart werden wird in den kommenden Stunden. Als unser Freund zur Arbeit an die Universität muss, machen wir uns auf zu einem kleinen Stadtrundgang. Am Marktplatz fährt uns gleich mal die einzige moderne Straßenbahn über den Weg; zum Glück die einzige, denn sie ist sehr sehr hässlich. Die älteren Modelle gefallen mir da deutlich besser.

Am Svoboda-Prospekt steht ein Zelt, vor welchem Geld für die ukrainischen Soldaten im Osten des Landes gesammelt wird. Außerdem ist ein zerschossener Jeep ausgestellt. Im Donbass ist noch immer Krieg - leider.

am Svoboda-Prospekt: zerschossenes Auto

Wir gehen am Opernhaus entlang hinüber zum Flohmarkt, der gerade aufgebaut wird und landen am Rynok erstmal wieder in einem Café. Hier gibt es zwei große Tassen Lemberger Kaffee für Verliebte, mit viel Sahne und einem guten Ausblick am Fenster auf die vorbeieilenden Schönheiten. Anschließend steigen wir in einen unwirklichen Zug, der diesen Namen eigentlich nicht verdient und nehmen an einer einstündigen Stadtrundfahrt teil. Zwischendurch fallen uns die Augen zu, aber zum Glück gibt es viele Schlaglöcher unterm und ausreichend Beschallung im Vehikel.

Auch an gesellschaftlichen oder politischen Botschaften mangelt es nicht.

Besonders sehenswert finde ich auch die älteren Autos, vor allem jene der Make LADA, die Kioske, die Baustellenabsperrungen und Gerüste, die Mädchen, die Alten, die Omas, welche mit Strohbesen Blüten vor dem Rathaus zusammenkehren, den Taxifahrer, der beim Warten eingeschlafen ist. Lemberger Details.

Gegen 13 Uhr können wir unsere Ferienwohnung beziehen. In einem Altbau, unweit vom Stary Rynok, etwa 10 Minuten zu Fuß vom Rathaus, befindet sie sich im ersten Stock. Unser Vermieter Wladimir ist gut gelaunt und sehr freundlich, die Wohnung geräumig, modern eingerichtet und sauber. Wir gönnen uns zwei Stündchen Schlaf - endlich. Dann ist die Zeit reif, um etwas zu Essen. Das tun wir im Restaurant "Am linkes Ufer", einem Keller unter dem Opernhaus, welches an einem kanalisierten Bach liegt und in dem zahlreiche Kostüme und Requisiten des Theaters ausgestellt sind. Danach wird es rabiat. Im 10 Minuten entfernten Masoch-Café wird jeder Gast ausgepeitscht, auf Wunsch auch umfassend und durch Kerzenwachsbeträufelung ergänzt. Dann und wann fasst ein Besucher, männlich oder weiblich, allen Mut zusammen und bekommt im Beisein aller und unter lauten Schreien eine Sonderbehandlung. Die Rechnung wird in einem Stöckelschuh serviert und auf Bildschirmen sind die besten Prügelszenen des ukrainischen Parlamentes zu sehen. "Erschlagen" von Eindrücken schlendern wir in unsere Ferienwohnung und fallen ins Bett.

Am nächsten Morgen gibt es ein leckeres Frühstück im Strudel-Haus. Das Wetter ist windig, aber gut und so entschließen wir uns gegen Mittag zu einer Straßenbahnfahrt zum Lytschakiwski-Friedhof. 

Diese Anreise ist bereits ein kleines Abenteuer, denn die Fahrt führt über einen der schlechtesten Gleisabschnitte des Lemberger Tram-Netzes. Dazu haben wir zu allem Überfluss auch noch eine besonders energische Fahrerin erwischt, welche die Schräge hinunter zum Friedhof mit einem Tempo absolviert, bei dem die ganze Fuhre beinahe umzukippen droht.

Besonders berührend sind für mich die vielen frischen Gräber für die in der Ostukraine Gefallenen. Aber der polnische Soldatenfriedhof ist ebenfalls beeindruckend. Auch mein vierter Besuch auf diesem Friedhof ist nicht langweilig. Ich mag die Atmosphäre, die verschiedenen Grabstätten aus Polen, Österreich-Ungarn, der Sowjetunion und der Ukraine. Die hügelige Lage und dass es soviel zu entdecken gibt.

Als wir zurück in der Innenstadt sind, sehen wir uns noch ein bisschen an der Universität um. Das eindrucksvolle Gebäude und der angrenzende Park sind ebenso sehenswert, wie die Studenten. Dann ist es Zeit für einen Kaffee. Den gibt es im "Goldenen Dukaten", eine dunkle, kleine Kneipe unweit vom Rynok. 

Schließlich landen wir im Gasthaus "Unter der Goldenen Rose", einem jüdischen Lokal, in dem keinerlei Preise  in der Karte zu finden sind. Stattdessen muss man hier nach dem Essen mit der Bedienung verhandeln. Zunächst aber müssen wir uns nach jüdischem Brauch am Tisch die Hände waschen. Dann gibt es einen leckeren Vorspeisenteller und ein noch schmackhafteren Hauptgang. Ein wunderbares Lokal. Ruslan, unser Kellner an diesem Abend, ist herrlich aufgelegt und schon nach kurzer Zeit meckern und schimpfen wir über das Essen, dass es eine Freude ist, alles schon in der Absicht, später den Preis zu drücken. Freilich schmeckt es vorzüglich, aber dass soll unsere Bedienung noch nicht erfahren. Am Schluss gibt es für mich noch einen Likör, angeblich hergestellt aus Männerhaaren und dann beginnt auch schon das Feilschen. Wir sind unnachgiebig und nach über einer halben Stunde gibt Ruslan auf und wir gehen mit einer Rechnung über umgerechnet 20 Euro hinaus. Per Handschlag verabschieden wir uns vom Kellner - es war ein toller Abend.

im jüdischen Restaurant

Gleich gegenüber fallen wir noch auf einen Absacker im "Haus der Legenden" ein. Das 5-geschossige Haus verfügt oben noch über eine Dachterrasse mit einem in der Luft schwebenden Trabant. In der kleinen, engen Kneipe mit Brandschutzbedingungen, wie sie in Deutschland undenkbar wären, kellnern auch Liliputaner. Wir nehmen im Löwen-Raum Platz und zwar in einem Eisenkäfig. Irre, was in Lemberg möglich ist!

Der letzte Tag bricht an. Diesmal gibt es in bester sonniger Lage ein "europäisches Frühstück", welches untypischer- aber schmackhafterweise aus Pommes, Würstchen und Bohnen besteht. Dazu einen leckeren Kaffee. So gut gestärkt können wir zum Bahnhof fahren und unser Gepäck einschließen, denn der Zug fährt ja erst eine Minute vor Mitternacht. Die Schließfächer sind nicht empfehlenswert, weil umständlich. Man muss eine Münze erwerben und dann einen Zahlencode festlegen. Besser ist die personenbediente Gepäckaufgabe, für 20 Hryvnja pro Stück sind die Rucksäcke hier gut verwahrt.

Dann fahren wir zum Fuß des Hohen Schlossberges, welchen wir besteigen wollen. Die Anstrengung lohnt sich, denn der Blick auf Lemberg ist toll. Leider sind heute sehr sehr viele Menschen oben, so dass es wirklich beengt ist. Ein paar schöne Fotos schießen wir aber trotzdem.

Auf dem Rückweg sehen wir noch einige Brautpaare und Hochzeitsfeierlichkeiten. Eine schöne Stimmung an unserem letzten Tag in Lemberg. 

Den Abend lassen wir dann im Freimaurer-Restaurant ausklingen. Das hat bei meinen Lemberg-Besuchen mittlerweile Tradition. Wir klingeln an einer Wohnungstür in der ersten Etage und werden in einen ziemlich verramschten Raum eingelassen. Ein wunderlicher Mann öffnet sodann eine zweite Tür und wir befinden uns plötzlich in einem edlen Restaurant mit Livemusik von Klavier und Violine. Die Fleischplatte für drei Personen kommt uns gerade recht. 

Freimaurer-Restaurant
Foto: D. Brückner

Dann müssen wir mit der Straßenbahn schon zum Bahnhof, der Nachtzug nach Breslau wartet. Der Abschied rückt näher.

Die Rückreise ist angenehmer. Erstens bekommen wir eine Stunde zurück. Zweitens finden die Grenzkontrollen schon eine Stunde nach der Abfahrt statt und drittens haben wir bis kurz vor 11 Zeit zum Ausschlafen, erst dann sind wir in Breslau. Der Zoll will auch diesmal überhaupt nichts von uns, außer kurz die Pässe für den Stempel. Dann schlafen wir voller Erinnerungen ein und wachen erst in Krakau wieder auf. Welch eine Freude, es gibt Kaffee aus Porzellantassen. Schön!

Kaffee im Nachtzug
mein Hut
Foto: D. Brückner

Pünktlich in Breslau eingefahren müssen wir raus aus unserer gemütlichen Koje. Die Schaffnerin war diesmal sehr freundlich und die beiden von Lemberg her nahezu ausverkauften Schlafwagen ab Krakau fast leer. 

Am Bahnsteig gegenüber steht ein Regionalzug mit Bistro, der meine Aufmerksamkeit erregt. Also schnell dahin und noch ein paar Fotos gemacht.

Wieder nehmen wir uns ein paar Stunden Zeit, diesmal um dem Rynek einen Besuch abzustatten und, etwas abseits von selbigem, noch einmal die polnische Küche zu genießen. Unterwegs fährt uns eine historische Straßenbahn vor die Linse.

Historische Straßenbahn in Breslau
Rynek Breslau

Nachdem wir im zweiten Anlauf am Fahrkartenautomat noch die Tickets nach Zgorzelec erworben haben (beim ersten Versuch war das Gerät plötzlich heruntergefahren), begeben wir uns in den gut besetzten Triebwagen von Koleje Dolnośląskie. Es handelt sich offensichtlich um ein Fahrzeug, das einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt hat. Diesmal müssen wir in Węgliniec umsteigen. Und zwar in einen ziemlich kleinen Triebwagen, der für die ziemlich vielen Leute ziemlich ungeeignet ist. Was den Fahrgästen auf dem Weg von Breslau nach Deutschland zur Zeit zugemutet wird, ist schon heftig. 

In Zgorzelec schließlich geht es wieder zu Fuß durch die Stadt und über die Neiße hinüber nach Görlitz. Unser Auto steht auch noch da. Alles ist gut. 

Görlitz

Von Lemberg bis hierhin hat alles tadellos geklappt. Nur hinter Pulsnitz ist dann noch Stau. Macht uns aber nichts aus. Wir sind noch im Haus der Legenden, am linken Ufer unter der Oper, im ruckelnden gemütlichen Bett des Nachtzuges. Bis bald, Lemberg! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Frank (Dienstag, 19 Mai 2015 23:11)

    Ein sehr schöner Beitrag einer tollen Reise. Ich freue mich für Euch, insbesondere weil ich diese Orte alle kenne und noch in guter Erinnerung habe!