Dezember 2014

Abschied vom Nachtzug nach Paris

Letzte Fahrt über Nacht nach Frankreich

Von Dresden über Nordhausen nach Paris und zurück

Nachdem ich es mir nicht hätte verzeihen können, die Abschlussfahrt mit dem CNL 450/451 nicht mitzumachen, kaufte ich Anfang letzter Woche noch eine Fahrkarte inkl. einer Reservierung für den Liegewagen und fuhr dann am Donnerstag in Dresden los

Route

Erstes Ziel war Nordhausen-Salza, wo ich eine kleine Kaffeepause bei meinen Großeltern einlegte. Die Fahrt verlief sehr komfortabel, in einer Doppelstock-Garnitur der Elbe-Saale-Bahn, mit Klima und (fast) ohne Mitreisende. 

Am Abend also machte ich mich als lange Zeit einziger(!) Fahrgast auf von nach Göttingen, wo es nach ein bisschen Warten endlich soweit war. Eine Handvoll Aktivisten mit Regenschirmen von Attac und Rettungsaufforderungen für den Nachtzug betraten den Bahnsteig, ihnen folgten zwei Tapfere Plakatträger sowie vier Beamte der Bundespolizei, die sich aber zurückhielten. 

ganz allein in der RB nach "Göttingen"
Protest in Göttingen

Dann fuhr der Zug ein, ich bezog mein 4er-Abteil, einige Fahrgäste winkten mit französischen Fähnchen und irgendwann hinter Mannheim hörte dann auch der letze Unkaputtbare aus der französischen Schülergruppe nebenan endlich auf mit plappern. Kurz vor Paris wurde dann durchgesagt, dass uns auf Grund des gegebenen Anlasses in Paris eine kleine Begrüßungsdelegation erwarten würde, die auch eine Manifestation verlesen werde - was auch so geschah. Außerdem trug die Übergangstür des letzten Wagens einen schwarzen Trauerschleier. Einzig die deutschen Zugbegleiter gingen schnurstracks und grußlos an der Kundgebung vorbei - schade.

Nun hatte ich den ganzen Tag Zeit bis zur endgültig letzten Abfahrt am Abend. Also machte ich mich auf, zu einem ziemlich laufintensiven Rudgang durch die Stadt der Liebe.

Nachdem ich den ganzen Tag Paris durchlaufen und einige Bahnhöfe besichtigt hatte, fand ich mich rechtzeitig wieder am Ostbahnhof ein, um einer weiteren Abschiedszeremonie beizuwohnen. Französische und Dortmunder Kollegen formulierten draußen vor dem Bahnhof ein kleine Lichterbild mit einem letzten Hilferuf - doch der blieb freilich nutzlos und mit etwa 10 Minuten Verspätung und weinendem Himmel verließ der CNL bei Hp 0 und daher hoffentlich gültigem schriftlichem Befehl die Stadt der Lichter und der Liebe.

Außer einer Ansage mit Abschied am Morgen war in Berlin nichts mitzubekommen von Wehmut, Protesten und Kondolenzen und so machte ich mich schließlich mit dem Striezelmarktsonderzug auf die Heimreise nach Dresden.

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