Januar 2015

Winterliches Polen

Ostbahn, TLK und Pendolino

5. Teil - von Warschau über das Riesengebirge nach Dresden

Der letzte Teil des Reiseberichtes zur Polen-Rundreise wird etwas umfangreicher, da zwei Tage zusammengefasst beschrieben werden.

5. Etappe

Das Wetter meint es auch an diesem Samstag nicht besonders gut und hat sich dem Frühstück im Hotel angepasst: nicht schlecht, aber durchaus mit Luft nach oben. Also packe ich schnell zusammen und fahre mit der Straßenbahn zurück zum Centralna-Bahnhof. Diesmal ist mir sogar ein Sitzplatz vergönnt. Draußen erblicke ich in der grauen Nebelbrühe Nationalstadion und Weichsel. 

Im Bahnhof führt mich mein Weg zielsicher zu den Schließfächern, in einem von ihnen darf mein Rucksack von jetzt an noch ein wenig weiterdösen, während ich mich - nach einem Schnappschuss vom beeindruckenden Fahrgastaufkommen am Zug nach Zakopane - zurück zur Straßenbahn begebe.

Ziel meiner Fahrt ist der ehemalige Hauptbahnhof von Warschau, welcher seit den späten 1960er Jahren bedeutungs- und seit 1997 vollständig Zugverkehrslos ist. Heute beherbergt das Gebäude und ein Teil der Außenanlagen das Eisenbahnmuseum der polnischen Eisenbahngesellschaft PKP.

Das von außen wenig einladende Gebäude ist von innen deutlich freundlicher gestaltet. Eine pflichtbewusste Mitarbeiterin versorgt mich gegen eine geringe Gebühr (12 Zloty) mit einer Eintrittskarte und gibt mir zu verstehen, dass diese auch für die derzeitige Modellbahnschau Gültigkeit habe. Erfreut und interessiert sehe ich mich im Museum um. Im ersten Teil sind überwiegend Modelle polnischer Lokomotiven und Wagen zu sehen, dazu sehr sehenswerte Fotografien polnischer Bahnhöfe. Im zweiten Raum ist für mich vor allem das Kartenmaterial von Interesse und zeigt mir einmal mehr, wie schwierig es immer wieder ist, die verschiedenen Zeitspannen der polnischen Geschichte in eine logische Ordnung zu bringen. Karten sind dazu sehr hilfreich.

Innen: Modelle

Die ebenfalls im Raum befindliche Modelleisenbahnanlage wird von zwei herrlich anzusehenden älteren Männern betreut, die überwiegend damit beschäftigt sind, entgleiste Züge wieder auf die Schienen zu hieven oder zögerlichen Lokomotiven per Handschlag zur Weiterfahrt zu verhelfen. In meinem Kopf entstehen Parallelen zur realen PKP-Welt. Ich muss an die Luft und entdecke das Außengelände.

So großartig die Existenz eines Eisenbahnmuseums in einem ehemaligen Bahnhof auch ist, so bedauerlich ist der Zustand der in den Außenanlagen abgestellten Fahrzeuge. Unzählige Dampflokomotiven und Wagen, ein Schneeschieber und ein ehemaliges Eisenbahngeschütz der Deutschen Wehrmacht rotten hier faktisch ungeschützt vor sich hin. Was für mich schon nach einer Viertelstunde ungemütlich ist, kann für die Fahrzeuge nicht dauerhaft von Nutzen sein. 

Zu guter Letzt huscht noch ein Pendolino durchs Bild, hat aber für seine rostigen Vorfahren keinen müden Blick übrig. Auf dem Brachland hier ringsherum wird sicher demnächst ein weiteres der so dringend benötigten Einkaufszentren gebaut werden. Was dann aus dem Museum wird?

Der PENDOLINO guckt nicht mal kurz rüber

Zurück in den Innenräumen trifft mich fast der Schlag. Hundertschaften kinderreicher Familien haben die Räume plötzlich besiedelt, an eine ruhige Runde durch den Rest des Museums ist kaum noch zu denken. Zum Glück ist aber ausgerechnet in der kleinen WARS-Abteilung niemand, so dass ich hier allein wehmütig der längst vergangenen goldenen Speisewagenzeiten gedenken kann, die ich selbst bedauerlicherweise nicht mehr persönlich miterleben durfte. Ob es heute Abend im Nachtzug auch WARS-Pantoffel geben wird (frage ich mich rhetorisch)?

Genug der Nostalgie. Draußen schnappe ich noch immer kalte und nebelige Luft, also schnell rein in die nächste Bahn, "ein bisschen durch die Gegend fahren" lautet der Plan. 

Warschau, nach dem Eisenbahnmuseumsbesuch

Doch schon eine Station später schaltet es in meinem Kopf: schlechtes Wetter plus noch jede Menge Zeit - das ruft doch nach Museum. Und siehe da: wie es der Zufall will, befindet sich hier das Museum des Warschauer Aufstandes von 1944. Ein paar Minuten später habe ich ein paar Zloty in eine Eintrittskarte und meinen Reisepass (Pfand) in einen deutschsprachigen Audioguide verwandelt. Das noch junge, aber viel gelobte Museum wirkt auf mich zunächst laut, verstörend und unübersichtlich. Mit der Zeit und der Hilfe der Erklärungen entspannt sich die Lage jedoch und ich versinke interessiert in den düsteren, kaum nachzuvollziehenden Kapiteln gemeinsamer Geschichte. Im Museumscafé, das an eines jener im Film "Der Pianist" erinnern soll, werde ich zufällig Zeuge einer Unterhaltung zwischen einem deutschen Buchautor, einer Dolmetscherin und eines Überlebenden des Warschauer Aufstandes. Meine Ohren werden größer und ich lasse mir viel Zeit beim Trinken meines Kaffees. Der - geschätzt - über 90 Jahre alte Mann erzählt von 12 bis 14 Jahre alten polnischen Mädchen, die sich seinerzeit nachts an deutsche Soldaten verkauften und dafür von diesen Waffen für die polnischen Unabhängigkeitskämpfer erhielten, welche dann wiederum am nächsten Tag gegen genau jene Deutsche kämpften. Ebenfalls von besonderem Interesse war für mich die Rolle des sozialistischen Polens im Umgang mit dem Thema Warschauer Aufstand. Mir war zum Beispiel nicht bewusst, dass das Thema im Grunde erste seit den 1990er Jahren wieder angemessen offen erforscht und daran erinnert werden kann. Es waren anstrengende zweieinhalb Stunden, die ich aber jedem empfehlen möchte. Weil ich irgendwie wieder zum Thema Eisenbahn kommen möchte, folgen überbrückend noch ein paar Nebelbilder aus Warschau.

Am Bahnhof möchte ich meinen Rucksack wieder aus seinem engen Versteck befreien, als ein ganz vertrauter Geruch in meine Nase zieht: es ist der Duft einer Bahnhofsgaststätte im traditionellen Sinne. Und tatsächlich, inmitten dieses unterirdischen Gewusels tut sich neben mir ein kleines Lokal mit verranzten Tischdecken und speckigen Stühlen auf, Kunstblumen auf dem Tisch, eine dicke, warmherzige Frau hinter der Theke und ich trete ferngesteuert ein, bestelle Zurek und nehme Platz. Göttlich!

Wurst mit Zurek

Die Suppe kann vor Wurst kaum schwimmen, ist ausgesprochen schmackhaft und jetzt genau das Richtige. Zufrieden hole ich meinen Rucksack ab, streife nochmal über ein paar Bahnsteige, verneine die Frage eines einfach gekleideten Herren, ob er mein Smartphone "kurz" haben dürfe und begebe mich zu meinem Zug, dem TLK nach Lublin.

Hauptstadtbahnhof

Im Abteil sind es - ungelogen - 40° C. Überhitzt nennt man das. Doch ich bin allein darin (welch Wunder) und schnell baue ich aus einem kleinen WARS-Becher eine Halterung, die das Fenster genau so einen Spalt offen lässt, dass ein Wärmeaustausch stattfindet, ohne dass eine Erkältung droht. Selbstgefällig rutsche ich in das Polster und nehme erfreut zwei Dinge zur Kenntnis: erstens, dass es auch in diesem Zug wieder Kaffee zu erwerben gibt und zweitens: zwei Häuser in der Ferne, deren Fassaden den späten Werken des Malers Piet Mondrian nachempfunden zu sein scheinen, einem meiner Lieblingskünstler. 

Guck mal! Da!

Von Warschau nach Lublin benötigt der Zug etwa zwei Stunden für 180 km Strecke, was ungefähr an Dresden-Berlin erinnert. Meine Entscheidung, nach Lublin zu reisen, liegt darin begründet, dass ich von dort mit dem Nachtzug ins Riesengebirge fahren möchte und nun mal gern bereits am Startbahnhof zugegen bin. Als wir in Lublin eintreffen, ist es nebelig, kalt und ein wenig unheimlich draußen. 

Ankunft in Lublin, noch 80 km bis in die Ukraine

Merkwürdige Gestalten tummeln sich auf dem Bahnhofsvorplatz, ein Blick auf den Busfahrplan zeigt einen für die Größe der Stadt erstaunlich dünnen Fahrplan und irgendwie hätte ich auch kein Problem damit, jetzt schon in mein Schlafwagenabteil zu schlüpfen. Aber: das dauert noch. Und so überwinde ich mich, ziehe mir am Automaten zwei Einzelfahrten, warte auf den Bus und stelle dabei erfreut fest, dass die eben genannten Merkwürdigen eher mit sich, als mit mir beschäftigt sind (offenbar ein Beziehungsdrama).

Nochmal herkommen? Ja, im Sommer vielleicht und wenn es hell ist. Die Altstadt macht einen hübschen Eindruck, aber meine Furcht ist heute besonders ausgeprägt und jeder ist verdächtig. Also drehe ich die obligatorische Runde um den Rynek, um dann im Bus wieder zum Bahnhof zu fahren. Im Zabka (der Laden mit dem Frosch) kaufe ich Wodka und ein bisschen Proviant (sogar Salat haben sie!) und dann verziehe ich mich in das Cafe im Bahnhof, das selbstredend kein Bier verkauft (Gelächter der Verkäuferin) - man kann es doch aber mal versuchen. Genauso lacht mich der Schlafwagenschaffner gleich nochmal aus, aber im Abteil lache ich dann zuletzt, denn im Rucksack habe ich freilich vorgsorgt. Zuvor gilt es aber noch, den Nachtzug Warschau-Kiew zu bestaunen. Fernweg macht sich bei mir breit. Großes Fernweh. Und Platz wäre noch genug, in den drei ukrainischen Schlafwagen...

Der Bahnhof von Lublin macht einen modernen und freundlichen Eindruck, ein Weihnachtsbaum mit Schriftzug grüßt die Gäste und mein Zug wird endlich bereitgestellt. Es geht einmal quer durchs Land bis ins Riesengebirge, an die Grenze von Polen und Tschechien, nach Szklarska Poręba (Schreiberhau).

Ich bin in meinem T3-Abteil bislang der einzige Gast, was mich freilich freut und ich nutze die noch vorhandenen Freiheiten zum perfekten Vorbereiten des Abteils, bevor mir andere meine Pläne zunichte machen können. Die nachts klappernden Kleiderbügel werden abgemacht und unter dem Bett verstaut. Die auf Dauernotbeleuchtung stehenden Drucktaster für die Abteilbeleuchtung verhülle ich mit dem Vorhang des "Kleiderschrankes". Das Mobiltelefon wird aufgeladen, die Rollos nach ganz unten gezogen, ein Keilkissen macht den Schlaf noch gemütlicher. Der Schaffner verteilt schon mal das Hörnchen für morgen Früh, außerdem ein Stück Seife, ein Handtuch und eine Flasche Wasser. Pünktlich setzt sich der Zug in Bewegung. Mein Wagen ist modernisiert, sauber und zum Glück ohne Klimaanlage, Fenster lassen sich öffnen. Nie wieder aussteigen!

Zwar hätte ich schwören können, "unten" gebucht zu haben, aber nun war es "Mitte". Wie auch immer. Bis Warschau würde vermutlich sowieso erstmal niemand kommen. Also entscheide ich mich für das erste der mitgebrachten Biere und ein Hörspiel. Thematisch vielleicht unpassend, wie mir gerade beim Verfassen dieser Zeilen auffällt, aber es handelt sich um "Er ist wieder da".... Nicht da hingegen sind meine Mitreisenden. Warschau Centralna, auf dem Gang rumpeln die Zusteiger umher, Familien den Lauten nach, ich blicke gebannt zur Tür, wer wird mein Schlafgast sein? Doch der Griff bewegt sich nicht. Der Zug rollt aus Warschau hinaus in die Nacht, ich gucke kurz auf den Gang, nicke dem Schaffner mit einem parallelen Blick auf mein Türschloss zu - wir verstehen uns. Hier kommt heute niemand mehr, T3 gebucht, Single bekommen - tak!

Die Nacht ist ruhig, ich schlafe wie ein Baby und werde erst wach, als wir Breslau schon lange hinter uns haben. Zu meiner Freude spendiert WARS Kaffee. In Hirschberg (Jelenia Góra) ziehe ich zwei Wagen weiter in einen modernen Großraum mit "Durchreiche", denn die beiden Schlafwagen am Schluss (und jene in Breslau dazu gekommene an der Spitze) und ein paar Sitzwagen verbleiben hier in Hirschberg. 

Wagen mit Durchreiche

Für die ganze Rangiererei ist eine gute halbe Stunde Zeit, es liegt Schnee, der Zug ist fast leer, mir geht es gut. InJelenia Góra Sobieszow werden die Lüfter unserer Lok leise, die Ausfahrt steht auf Halt, der Schnee fällt lautlos auf den verlassenen Bahnsteig und es tut sich nichts. Dann kommt der ältere polnische Zugbegleiter, kontrolliert meine Fahrkarte, erfreut sich in gebrochenem Deutsch an meiner Herkunft, Dresden, zählt mir alle deutschen Fußballvereine auf, die er kennt. Ich bin allein in dem Wagen mit der Durchreiche. Der Zugbegleiter schließt seine Ausführungen mit der herzlichen Einladung: "Mein Freund. Bitte setz dich doch einen Wagen weiter in die erste Klasse." Ich bin gerührt, in Dresden demonstriert heute Abend PEGIDA wieder gegen Ausländer. Mir wird schlecht. 

Nach entspannten 20 Minuten des Wartens kommt - als wäre nichts gewesen - Koleje Dolnośląskie (KD) um die Ecke geschlichen und erfreulicherweise kann es sogleich auch bei uns weitergehen.

"Lass dir nur Zeit, Freund..."

Kurz vor Szklarska Poręba (Schreiberhau) reiße ich das Fenster auf und knipse wagemutig meinen Zug auf kurviger und stetig ansteigender Strecke. Eine Lok mit vier Wagen, ich in der 1. Klasse, draußen Schnee - ich notiere "bin gerade der glücklichste Mensch der Welt."

Dann eine lustige Begebenheit: in Szklarska Poręba Dolna (Niederschreiberhau) wartet ein Mann auf dem zugeschneiten Bahnsteig. Offenbar möchte er jemanden abholen, doch der Zugbegleiter ist es nicht, denn der steigt zwar aus, jedoch nur um zu pfeifen und den Auftrag zur Abfahrt zu geben. Dann läuft der Mann ihm gemütlich entgegen. Vom letzten Wagen vor zum zweiten, wo der Schaffner noch immer wartet. Gemeinsam gehen sie dann nach ganz vorn, öffnen die erste Tür des ersten Wagens, stecken ihre Hälse hinein und kurze Zeit später springen wie Lemminge 25 Kinder hinaus. Dann hat sich das Warten ja doch gelohnt! Kurz danach erreichen wir Szklarska Poręba Górna (Schreiberhau), den Endbahnhof unseres Zuges. Dieser wird nun direkt neben den von Eiszapfen behangenen Felsen abgestellt und hat bis zum Nachmittag Pause.

Die einstündige Pause, welche ich nun habe, nutze ich für einen leckeren Milchkaffee in dem originellen Cafe im Bahnhofsgebäude. Dort hat man den Fahrkartenschalter gastronomisch umfunktioniert und der Kunde sitzt nun dort, wo einst die Schalterbeamtin die Tickets ausstellte. Draußen, in der Halle, fragen rat- und ahnungslose Reisende dann und wann an der Scheibe weiterhin nach Fahrkarten. Die freundliche Kellnerin antwortet immer gleich und geduldig: "Nein, leider nicht. Aber wir haben leckeren Kaffee."

Café im Fahrkartenschalter

Dann muss ich wieder hinaus, ein Zug hat Einfahrt. Es ist ein KD-Triebwagen aus Breslau und wenige Minuten später kommt dann auch meine doppelte Brotbüchse aus und nach Harrachov hereingeschneit. Der Zug ist nach Abfahrt bis auf den letzten Platz besetzt.

Unterwegs, an höchster Stelle, verlassen die meisten Skifahrer den Zug und starten direkt in die Loipe. Ich werfe einen Blick auf die historischen sanitären Anlagen.

In Harrachov knutscht der Lokführer beinahe mit dem im selben Gleis wartenden Regiosprinter, der ausgesprochen freundliche Zugbegleiter jagt uns beherzt hinaus, für das niedliche Bahnhofsbistro habe ich leider keine Zeit, dafür kommt nun etwas, für das ich mich schäme: ich äußere mich lobend über einen VT 650 (ČD: 840). Einst düste ich selbst als Lokführer mit diesen Bussen auf Schienen nach Ulm und zurück, regte mich über Aufkleber "Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen" auf und verdammte jede Coladose, die mir zu nah war. Nun aber, hier im weißen Schnee von Harrachov und im ansprechenden blau der České dráhy, warm, bequem, sauber und mit Steckdose - nun ja, für einen Regioshuttle echt nicht schlecht. Freilich: ein Zug ist, bleibt und wird das Teil natürlich trotzdem niemals.

Auf der Fahrt nach Liberec stelle ich - offenbar ungenügend vorbereitet - fest, dass auf der Strecke der Überlandstraßenbahn nach Jablonec Autos parken. Am Bahnhof dann und später auch im Forum finde ich die Auflösung: umfangreiche Bauarbeiten und einjährige Streckensperrung. Okay. Ein Foto vom Dreischienengleis vor dem Bahnhof mache ich noch und dann hinein in die Straßenbahn, auf zum Jeschken!

Nachdem ich mich, mangels Ortskenntnis über einen Umweg, an der Talstation der Seilbahn eingefunden habe, zweifel ich auf Grund meiner Höhenangst an dem Vorhaben der Bergfahrt, reiße mich dann aber doch zusammen und weil man wegen des Nebels und der Wolken ohnehin nichts sieht, gehen die zwei Minuten dann doch irgendwie vorüber. Die Seilbahn ist toll, allein schon, weil sie zur Tschechischen Bahn gehört und weil man sie mit dem Euro-Neiße-Ticket benutzen kann, weil ein netter, alter Tscheche heute Seilbahnführer ist und überhaupt: es ist alles so schön. Aber auch kalt. Eiskalt. Und oben angekommen sehe ich: nichts.

oben ist es kalt und schlecht beschildert

Ich gebe es zu: unter diesen Bedingungen reichen mir ein paar Minuten hier oben, ich komme nochmal wieder, wenn es ein bisschen wärmer ist und ich mehr Zeit habe. Flugs gehts also wieder hinunter, dabei kann ich lustigerweise einige stürzende Snowboarder schadenfroh belächeln, wohlwissend, dass ich niemals den Mut hätte, mich wie sie den Hang hinunterzustürzen. Unten mache ich noch ein paar Fotos und verziehe mich wieder zur Straßenbahn.

Am Bahnhof Liberec fülle ich meinen Proviantvorrat auf und enteile mit einem Triebwagen der Baureihe 843 mit Beiwagen nach Děčín. Diese Fahrt ist dermaßen gemütlich, die Mitreisenden so friedlich und der Schaffner so freundlich, dass ich gar nicht mehr nach Deutschland zurück möchte. Zudem ist die Strecke vor allem im Abschnitt bis Česká Lípa reizvoll.

In Děčín hat mich die Realität wieder. Am Fahrkartenschalter brüllen zwei junge Deutsche gegen die Scheibe, sie müssten nach Berlin, ob denn hier niemand deutsch spreche. Am Bahnsteig steht das lustlose Dresdner-Zub-Pärchen rum, welches keine Fahrkarten kontrollieren wird, hoffnungsvoll allein scheint mir der MÁV-Speisewagen im EC nach Dresden zu sein. Aber leider ist hier heute auch Sparprogramm: die Hälfte der Gerichte gibt es nicht und die Gulaschsuppe schmeckt: nicht. Aber zwei Bier von Děčín bis Dresden-Neustadt lassen mich über diese Lappalien hinwegsehen und in der Erinnerung bleiben ganz wunderbare, reale sechs Tage, die ich nicht missen möchte.

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