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Gegenwart und Zukunft der Eisenbahn in Europa

Im folgenden möchte ich Ihnen einen kurzen Überblick geben, wie sich die Lage im europäischen Eisenbahnverkehr gegenwärtig darstellt und welche weiteren Entwicklungen in den nächsten Jahren zu erwarten sind.

 

Bosnien und Herzegowina

Der Zugverkehr hat faktisch keine Bedeutung mehr. Mit der plötzlichen Einstellung des letzten internationalen Zuges Zagreb - Sarajevo ist das Land mittels Eisenbahn nicht mehr aus dem übrigen Europa erreichbar. Zwischen den größeren Städten sind einige wenige Alibi-Zugpaare verblieben, die Zukunft der Eisenbahn ist nirgendwo so düster, wie hier.

 

Deutschland

Ein dichtes Netz bietet zumeist im festgelegten Takt zuverlässige und hochwertige Bahnverbindungen. Im durch die Bundesländer bestellten Nahverkehr tummeln sich inzwischen sehr viele verschiedene Anbieter. Die Laufzeiten der Verkehrsverträge sind meist langfristig, Abbestellungen oder die Einstellung von Verbindungen sind allenfalls punktuell in bestimmten Regionen Ostdeutschlands zu erwarten. Im Fernverkehr gibt es faktisch noch immer keine Konkurrenzangebote zur Deutschen Bahn, diese will sowohl ihr Kernnetz erhalten und ausbauen, als auch zur Zeit nicht angebundene Regionen künftig wieder anbinden, zum Teil in Zusammenarbeit mit den Bundesländern. Klassische Speisewagen wird es künftig nur noch in ICE-Zügen geben, Intercity-Linien werden sukzessive durch moderne Doppelstockfahrzeuge bedient werden.

 

Frankreich

Die regionalen Linien wurden in den vergangen Jahren weiter ausgedünnt. Wo es sie noch gibt, fahren die Züge jedoch zuverlässig, modern und im Takt. Auf den langen Distanzen bleibt der TGV unangefochtene Nummer eins. Immer mehr Verbindungen mit immer schnelleren Fahrzeiten machen die Fahrten ausgesprochen angenehm und komfortabel. Das Intercity-Netz ergänzt vom TGV nicht befahrene Linien Die Nachtzüge werden weniger, auch grenzüberschreitend läuft dahingehend fast nichts mehr. Die Bordgastronomie im TGV ist zuverlässig, aber nicht der Feinschmeckernation angemessen. Gegen konkurrierende Eisenbahnanbieter wehrt sich Frankreich bislang erfolgreich.

 

Kroatien

Der Eisenbahnverkehr hält sich tapfer. Internationale Verbindungen sind angesichts des möglichen Potentials viel zu rar.  Das Streckennetz ist in einigermaßen gutem Zustand, das ältere Wagenmaterial kommt immer seltener zum Einsatz, Triebwagen scheinen die beliebtere Alternative zu gemütlichen Reisezugwagen zu werden. Immerhin halten sich der Nachtzug nach München sowie Tagesverbindungen von und nach Budapest, diese sind sogar bewirtschaftet.

 

Österreich

Die Österreichischen Bundesbahnen haben ihren Fahrzeugpark konsequent vereinheitlicht und modernisiert. Angebotene Verbindungen werden zuverlässig, im Takt und langfristig angeboten. Im Nachtzuggeschäft setzt man Maßstäbe, übernahm sogar zahlreiche von der Einstellung bedrohte Verbindungen nach Deutschland. Die Eisenbahn blickt einer unspektakulären, aber sicheren Zukunft entgegen. Nur das Angebot in den Speisewagen überzeugt nicht, ist immerhin aber vorhanden. Abgesehen von der Westbahn gibt es bislang keine nennenswerten Wettbewerb auf der Schiene.

 

Polen

Noch immer ein Land im Umbruch. Etliche Nebenbahnen kämpfen bei jedem Fahrplanwechsel um ihren Erhalt. Der Fernverkehr von PKP-Intercity läuft recht stabil, Speisewagen gibt es nur noch in EIC- und IC-Zügen, hier meist auch wieder in den neu beschafften Triebzügen. Zahlreiche Schlaf- und Liegewagenverbindungen halten sich seit vielen Jahren. Das Streckennetz wird noch immer an vielen Stellen gleichzeitig saniert, die gefahrenen Geschwindigkeiten entsprechen noch nicht immer den heutigen Anforderungen. Der Fahrzeugpark wird konsequent modernisiert. Mittelfristig bleibt abzuwarten, ob sich neben einem Kernnetz auch in der Fläche die Eisenbahnanbindungen erhalten lassen können. Das Eintreten neuer Anbieter im Fernverkehr wird in den kommenden Jahren erwartet, die Auswirkungen sind noch nicht abzuschätzen. Zugverbindungen ins Ausland wurden zuletzt wieder leicht verstärkt. 

 

Schweiz

Im Vorzeigeland der Eisenbahn läuft alles wie ein Uhrwerk. EC-Züge haben konsequent ein Restaurant dabei, der Taktfahrplan funktioniert verlässlich, angebotene Verbindungen werden langfristig erhalten. Auch bei der Abstimmung der Verkehrsträger untereinander setzen die Schweizer Maßstäbe. Nur Nachtzüge werden von der SBB nicht mehr betrieben und Konkurrenz sucht man zwischen den Bergen und Tälern vergeblich.

 

Serbien

Wie auch in anderen Balkan-Ländern kämpft auch in Serbien die Eisenbahn um das Überleben. Zahlreiche Fernverbindungen wurden in den vergangenen Jahren eingestellt. Die wenigen regionalen Strecken rund um die Hauptstadt Belgrad werden einigermaßen verlässlich bedient, die anderen wenigen Züge, wie jene nach Ungarn, Montenegro Kroatien oder Bulgarien verkehren sehr unzuverlässig, kurzfristige Streichungen sind nicht selten. Das eingesetzte Wagenmaterial gleicht einem letzten Aufgebot, das Streckennetz ist überwiegend marode. Fernbusse haben der Bahn wie in vielen Balkan-Ländern längst den Rang abgefahren.

 

Slowakei

Ein stabiler Betrieb auf dem aktuellen Niveau sollte auch künftig zu halten sein. Die Konkurrenz von RegioJet, Leo Express und die von der Regierung eingeführte Freifahrt für Schüler und Rentner machen der Staatsbahn ZSSK jedoch schwer zu schaffen. Die Zukunft der eigenwirtschaftlich gefahrenen IC-Züge ist daher ungewiss. Das eingesetzte Wagenmaterial wird weiter modernisiert, die Nachtzugverbindungen nach Tschechien sollten gute Chancen haben, erhalten zu werden. Die Zukunft der derzeit sehr guten Bordgastronomie ist langfristig mit Sorge zu betrachten, da unklar ist, inwieweit sie bei neu anzuschaffenden Fernzügen noch Berücksichtigung findet.

 

Tschechien

Trotz zahlreicher Stilllegungen von Nebenbahnen ist Tschechien noch immer überdurchschnittlich gut mit der Eisenbahn zu durchfahren. Viele Bahnhöfe wurden aufwändig modernisiert, die tschechische Staatsbahn ČD überzeugt durch zuverlässige und gepflegte Leistungen. Die Bordgastronomie im Fernverkehr wird voraussichtlich ebenso erhalten können, wie die angebotenen Nachtzugverbindungen. Auf etlichen Linien wurden die Fahrzeuge in den letzten Jahren modernisiert, im Fernverkehr herrscht bereits bedeutender Wettbewerb. Neben der staatlichen ČD bieten mit Leo Express und RegioJet bereits seit vielen Jahren auch Konkurrenten verlässliche Zugfahrten an. Auch die Deutsche Bahn-Tochter Arriva hat den tschechischen Markt mittlerweile entdeckt. 

 

Ukraine

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Im Regionalverkehr kann man häufig noch uralte Züge erleben, einen Taktfahrplan gibt es nicht. Die meisten Züge sind Fernzüge und haben wegen der Größe des Landes auch fast immer nur Schlafwagen mit dabei. Der kommunizierte Fahrplan wird in der Regel penibel eingehalten, die Zukunft der ukrainischen Eisenbahn wird mit einem immensen Investitionsaufwand einhergehen müssen. Zwischen den großen Städten verkehren vereinzelt neue, moderne Intercity-Triebzüge. Speisewagen im klassischen Sinne findet man nur selten vor. Es bleibt grundsätzlich abzuwarten, was passiert, wenn dringend notwendige Erneuerungen in Netz und Wagenmaterial ausbleiben sollten, zumal Busse bei den langen Distanzen und schlechten Straßenzuständen eigentlich keine Alternative zur Bahn darstellen sollten.

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