März 2017

Südliches Polen und Meer und mehr

Eine beeindruckende Eisenbahnrundfahrt

2. Teil - Brieg, Oppeln, Auschwitz und Tatra-Rundfahrt

Nach den eindrucksvollen Tagen in Krakau sind wir nun in Brieg angekommen, eine Kleinstadt westlich von Oppeln, die unser Interesse durch ein wunderbares Schloss im Renaissance-Stil auf uns gezogen hat. Die ganze Fahrt über hat es geregnet, aber mit unserer Ankunft klart es auf und wird sogar ein wenig sonnig. Auf dem Weg durch das Zentrum sind nur äußerst wenige erhaltene Gebäude zu finden, dennoch bemüht man sich auch am Rynek darum, ein Stück des alten Glanzes zu erhalten oder wiederherzustellen.

Das von Autos beparkte Piastenschloss wurde bis 1990 wiederaufgebaut und bietet eine sehenswerte Fassade sowie im Innern eine umfangreiche Ausstellung mit Gemälden zum Teil berühmter schlesischer Maler der Barockzeit. Extra für uns wird Raum für Raum das Licht ein- und nach uns wieder ausgeschaltet.

Unmittelbar neben dem Schloss befindet sich die barocke Kreuzerhöhungskirche, in die wir ebenfalls einen kurzen Blick werfen können. Anschließend rundet ein kleiner Abstecher an die Oder den Ausflug nach Brieg ab.

Zurück am Bahnhof fahren wir im Stile längst vergangener Eisenbahnromantik mit dem KIBEL nach Oppeln. Immer wieder ein Erlebnis, das jeder noch einmal erfahren sollte, denn die mit dem (ursprünglichen) EN57 befahrenen Strecken werden Jahr für Jahr weniger.

Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir Oppeln und begeben uns unbewusst zunächst nicht direkt in Richtung Zentrum, was die städtebaulichen Erwartungen mit einem Schlag massiv absenken lässt. Was wir in dieser Hinsicht sehen, ist nahezu unglaublich. Erst als wir uns wieder Richtung Zentrum gelangen und bei Bier und schlesischen Klösen in einem Gasthaus am Rynek sitzen, können wir uns allmählich wieder mit Oppeln versöhnen.

Satt und zufrieden finden wir uns wieder am Bahnhof ein. Das Empfangsgebäude präsentiert sich bereits seit einigen Jahren aufwändig restauriert und läd zum Verweilen ein. Und so vergeht die Wartezeit recht schnell, bis unser Intercity nach Kattowitz einfährt und im Speisewagen noch einige Bier für uns bereit hält.

Ziemlich müde flüchten wir uns ins bahnhofsnahe Hotel in Kattowitz und schlafen ein. Am nächsten Morgen versorgen wir uns am Bahnhof mit Kaffee und Gebäck, schließen unser Gepäck ein und fahren mit dem KIBEL nach Auschwitz. Das Wetter ist angemessen: es ist nebelig und regnet. Die Fahrt führt teilweise in Schrittgeschwindigkeit und begleitet von heftigen Schienenstößen vorbei an Industrie und verlassenen kleinen Ortschaften. Der Zug wird immer langsamer und nach einer Stunde erreichen wir Auschwitz.


Ein etwa 20-minütige Fußweg führt uns zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Hier haben wir eine deutschsprachige Führung gebucht. Nach den obligatorischen Sicherheitskontrollen finden wir uns in einer kleinen Gruppe wieder und eine kleine, ältere Dame führt uns gute drei Stunden durch das Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers. In letzterem mache ich das einzige Foto von diesem Ort.


Auf dem Rückweg zum Bahnhof von Auschwitz haben wir im Regen Gelegenheit, dass Gesehene zu besprechen und einzuordnen.  Unser Zug steht schon bereit und so verlassen wir diesen Ort wieder zurück in Richtung Kattowitz. 

In den letzten Jahren wurden immer mehr Verbindungen von Auschwitz aus eingestellt, so dass der Umweg über Kattowitz nun unumgänglich ist, obwohl wir eigentlich weiter wollen in Richtung Süden, zur polnisch-tschechischen Grenze. Eine Pizza später sind wir wieder am Bahnhof, wo der Express-Intercity Premium in Form eines nicht pendelnden Pendolino einfährt, um uns ein paar Kilometer weiter zu bringen, in den einfach auszusprechenden Eisenbahnknoten Czechowice-Dziedzice nämlich.

Den Spaß mit der kurzen EIP-Fahrt haben wir uns einfach mal so gegönnt, um auch mal die neuwertigeren Züge Polens zu benutzen. Nun aber steigen wir wieder in einen KIBEL um, der uns (fast allein) durch das Dunkel der Grenzregion bis nach Cieszyn bringt. 

Das Städtchen Cieszyn liegt heute unmittelbar an der Grenze zu Tschechien und hat dort eine nahezu gleichnamige Schwesterstadt. Wir übernachten auf polnischer Seite und begeben uns dann am nächsten Morgen zu Fuß über die Grenze (es verkehren aber auch Züge), nicht ohne jedoch zuvor der überraschend sehenswerten Doppelstadt eine kleine fotografische Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Der Bahnhof auf tschechischer Seite ist von wesentlich größerer Bedeutung, als sein polnisches Pendant. Hier fahren auch zahlreiche Fernzüge ab und Empfangsgebäude und Anlagen befinden sich, wie so oft im Land der Eisenbahn, in ganz hervorragendem Zustand.

Dann endlich: pünktliche Einfahrt des SuperCity-Zuges aus Prag. Schon James Bond hat seinerzeit gelassen in den bequemen Großraumwagen geplaudert. Fast allein im Zug, lassen uns über die Grenze bis ins slowakische Zilina bringen, wo Zeit für einen kleinen Stadtrundgang ist. Bislang kannten wir nur den Bahnhof vom Durchfahren oder Umsteigen, aber das Zentrum ist schön zurecht gemacht und auf jeden Fall lohnenswert. Sogar O-Busse gibt es!

Zilina als eines der wichtigsten Eisenbahn-Knotenpunkte der Slowakei lädt natürlich auch noch einmal zum Fotografieren ein.

Freilich hätten wir auch einfach im SuperCity sitzen bleiben können, bis wir die Gipfel der Tatra vom Fenster aus sehen. Aber der Zwischenstopp in Zilina ermöglicht uns neben der Stadterkundung, dass wir im slowakischen Speisewagen nach Poprad-Tatry weiterreisen können. Soweit die Theorie. Der einfahrende Schnellzug von Bratislava nach Kosice bringt jedoch, wie schon auf einschlägigen Internetseiten angekündigt, ein modernes tschechisches Restaurant mit. Aber: Koch und Gerichte sind slowakisch. Und so krallen wir uns den letzten freien Platz und lassen uns Bier, Schnitzel und Bratkartoffeln kommen, während es draußen bergiger wird und die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tatra an uns vorüberziehen.

Satt und zufrieden steigen wir in Poprad aus dem Zug. Eine gute Nachricht: das in die Jahre gekommene Bahnhofsgebäude wird gerade saniert. Sehr schön! Von hier aus werden wir nun mit der elektrischen Tatrabahn nach Strbske Pleso fahren und dort im Schnee eine Runde um den See drehen. Was für ein Kontrast zum Beginn der Reise an der Ostsee und zum sonnigen Krakau...

Je höher wir mit der Tatrabahn kommen, umso klarer wird, dass wir heute noch Schnee sehen und anfassen werden können. Und siehe da: in Strbske Pleso herrscht noch Wintersportbetrieb. Wir entscheiden uns für den Klassiker, einen Spaziergang um den See, jedoch nicht ohne zuvor die ankommende Zahnradbahn aus Strba abzulichten, welche wir später zur Talfahrt noch nutzen werden.

Der Spaziergang führt uns schließlich noch an den Fuß des Wintersportgebietes und zu den beiden Skisprung-Schanzen, von denen aber nur noch eine in Betrieb ist. Dann laufen wir gemütlich zurück zum Bahnhof und lassen uns mit der Zahnradbahn hinunter nach Strba bringen.

Im Empfangsgebäude des Bahnhofs Strba möchte ich meinem Vater die vielen historischen Plakate und Eisenbahn-Utensilien zeigen, aber leider wurde alles neu gestrichen und die alten Fotos, Fahrpläne und Erinnerungsstücke sind gänzlich verschwunden. Das ist gar nicht schön. Ein viel zu moderner Schnellzug mit EU-finanzierten Großraumwagen und WLAN bringt uns binnen einiger Minuten nach Liptovsky Mikulas, wohin mich einst als Kind meine allererste Fahrt mit dem Nachtzug führte. Das ist nun knapp 30 Jahre her, aber Grund genug, die schöne Reise an diesem historischen Ort zu beschließen.

Nach einem traditionellen slowakischen Essen in einem Klischee-Wirtshaus mit passender musikalischer Beschallung finden wir uns am Bahnhof wieder, von wo uns der Nachtzug SLOWAKIA im Kurswagen bis nach Usti nad labem bringen wird. Ein paar Bier später schlafen wir bereits und erwachen wieder an der Elbe, wo ein Partie Backgammon in der morgendlichen Sonne und ein anschließendes Frühstück im EuroCity nach Dresden die Fahrt ausklingen lassen. Der Kellner ist derselbe, wie im ersten Zug und sieben Tage und zwei Stunden nach unserem Start fahren wir pünktlich und ohne eine Minute Verspätung im Hauptbahnhof der sächsischen Landeshauptstadt ein.

Ein kleines Bonbon gibt es dann noch auf meiner Heimreise nach Karlsruhe. Der ICE ab Leipzig wird über meine Geburtsstadt Nordhausen umgeleitet. Da schmeckt das Weizen natürlich gleich nochmal so gut! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Paul (Mittwoch, 28 Juni 2017 09:42)

    Wunderbare Reise. Polen, Slowakei und Tschechien sind tolle Länder....und man fühlt sich sicherer als in Deutschland....